Vorrede.
In düsteren Qletscherschluchten eines fernen Landes entspringen dieQuellen des Rheins, von wenigen Menschenaugen je gesehen, und die vonihnen gespeisten Wildbäche haben eine schwere Arbeit zu leisten, uni dieentgegenstehenden Felsenbarren in engem Bette zu durchnagen und nachlanger vielgewundener Wanderung sich zu einem ansehnlichen Flüßchenzu vereinigen. In stets sich erweiterndem Talgrund eilt der jugendlicheRhein jetzt ungestüm dahin und erhält von allen Seiten Verstärkung.Aber noch muß er gar manche Hindernisse überwinden, Talengen undFlußschwellen, bis er als richtiger Fluß die gesegneten Fluren der Rhein-lande bespült oder gar als majestätischer Strom durch unübersehbareEbenen seine Wogen müde dem Schoße des unendlichen Meeres zuführt.
Und ein ganz ähnliches Bild bietet der Werdegang der rheinischenKultur und Besiedelung. Fern im wärmeren Spanien und in Frankreich,teilweise sogar in den Steppen des Ostens, liegen die Uranfänge unsererpaläolithischen Menschheitsentwicklung, von wo ihre Ausstrahlungen bisüber die Gestade des Rheins hinausreichen. Inmitten einer großartigenNatur bald mit heißem, bald mit kaltem Klima fristete der Mensch inHöhlen und Erdlöchern oder in leichten zeltartigen Hütten ein kümmer-liches und fast verborgenes Dasein voll Gefahren und Schwierigkeiten,die er, wie ein Robinson, durch Ausnutzung der von der Natur gebotenenHilfsmittel zu meistern versuchte. Als aber allmählich sich ein mildererHimmel über dem Rheintal wölbte, kamen in neolithischer Zeit von Ost,Nord und West verschiedenartige Völkerschwärme nach seinen frucht-baren Talbreiten und Gebirgshängen gezo'gen, die nicht nur als Jäger,Fischer und Hirten, sondern auch als Garten- und Ackerbauer ihreNahrung gewannen, in geräumigen Hütten inmitten geschlossener Dorf-gemeinschaften wohnten und die menschliche Zivilisation um ein gutesStück weiter förderten. Aber in der nun folgenden Bronze- und Eisenzeit,der Hallstatt- und La Tene-Periode, sollte es trotz aller bedeutsamen Fort-schritte durch Ausnutzung der Metalle und durch Beziehungen zu denklassischen Ländern des Südens auch nicht an empfindlichen Rückschlägenfehlen infolge des Eindringens neuer Jäger- und Hirtenstämme im Ver-laufe großer Völkerwanderungen und langer Kriege. Erst die von denRömern unmittelbar an die Ufer des Rheins verpflanzte italisch-griechischeKultur führte jene glänzende Epoche herbei, die mit ihren vorgeschrittenen