5- Kapitel.
Die La-Tene-Zeit
(Zweite Eisenzeit ca. 500 v. Chr. — Chr. Geburt).
Die La-Tene-Kultur (benannt nach einer Hauptfundstätte am Neuen-burger See), die sich gegen die Mitte des letzten Jahrtausends auch aufunserem Gebiete geltend machte, ist teils eine Weiterentwickelung dervorausgehenden Hallstattstufe, teils eine Neubildung auf Grund anders-artiger Völker- und Verkehrsverhältnisse. Die Herrschaft über Mittel-europa ging von den illyrischen Alpenstämmen an die gallischen Völkerdes Westens über. War bisher das Donautal der Hauptkanal, welcher dieVölker und Kulturen von Osten nach der Mitte des Kontinents leitete, wiedie neolithischen Bandkeramiker und die illyrischen Hallstattstämme, sogewann jetzt der Rhoneweg immer mehr Bedeutung, wenn er auch bisherschon manche Kulturelemente bis in unsere Gegenden gebracht hatte. Diemächtige griechisch-italische Kultur, die ihre Handelsplätze bis über Mas-silia hinaus vorzutreiben verstand, pochte nunmehr weit kräftiger als bis-her an die Tore Mitteleuropas und fand viel willigere Aufnahme bei denbeweglichen und volksreichen gallischen Stämmen als bei den schwer-fälligen hallstättischen. Vom Südosten Frankreichs ausgehend, drang sierasch bis zum Rhein vor und wurde von der großen keltischen Völker-wanderung alsbald bis in den äußersten Südosten Europas, ja bis nachKleinäsien getragen.
Innerhalb unseres Gebietes lassen sich 4Entwicklungsstufenscheiden:
1. Die Schwarzenbach-Dürkheim-Kleinaspergle-Stufe(T-i) mit rotfigurigen griechischen Vasen, griechisch-italischemBronzegeschirr, eisernen Lang- und Kurzschwertern, Dolchen, Hieb-messern, Masken- und Tierkopffibeln, „Linsenflaschen“ usw.; Grabhügel.Etwa 500—400 („früheste La-Tene-Zeit“).
2. Die Stufe von Waldalgesheim-Braubach-Lei-mershe i m (T 2 ), gleichfalls noch mit griechisch-italischem Bronze-geschirr und Schmuck, eisernen Kurzschwertern, Hiebmessern, Puffer-und Petschaftsringen, Fibeln mit zurückgebogenem Fuße, großen Ton-flaschen usw.: Grabhügel und Flachgräber. Etwa400—300 v. Chr. („früheLa-Tene-Zeit“).