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1 (1921) Die vorrömische Zeit
Entstehung
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II. Teil.

Zusammenfassende Darstellung.

6 Kapitel.

Landschaftsbild, Siedelungsweise, Siedelungsgang,Kontinuität der Besiedelung.

A. Das Landschaftsbild und die Siedelungsweise.

Selten wohl hat eines antiken Schriftstellers Zeugnis falschere Vor-stellungen heraufbeschworen als. des Tacitus kurze Schilderung desLandschaftsbildes von Germanien. Seine Worte in der Germania cap. 5:terra etsi aliquanto specie differt, in Universum tarnen aut silvis horridaaut paludibus foeda, umidior qua Gallias, ventosior qua Noricum ac Pan-noniam adspicit („ist auch das Land etwas an Aussehen verschieden, sostarrt es im ganzen doch entweder von Wäldern oder ist durch Sümpfeentstellt, feuchter da, wo es gegen Gallien, windiger, wo es gegen Noricumund Pannonia schaut“) haben nicht nur bei Fernerstehenden das Bild einervölligen Urwildnis hervorgerufen, sondern auch in der Wissenschaft fastbis auf unsere Tage die Annahme dürftigsten Anbaus in vorrömischer Zeitaufrecht erhalten. Man hat zu wenig bedacht, daß ein Südländer spricht,ein Sohn der damals schon waldarmen Ttalia mit ihrer hochentwickeltenFeld- und Gartenkultur und ihrem ausgedehnten Weideland, der zudemnoch sich von den herkömmlichen Übertreibungen der geographischenLiteratur über Barbarenländer nicht freihält. Man hat aber auch nichtberücksichtigt, daß Tacitus’ Schilderung von Germanien z. T. auf dieAussagen römischer Offiziere zurückgeht, die bei ihren Kriegszügen vonXanten, Mainz oder Straßburg aus erst die sümpfereiche Rheinebene undverwachsene Urwälder durchdringen mußten, um die geflüchteten Ger-manen zu erreichen. Und schließlich hat man zu wenig Gewicht auf diefolgenden Worte des Schriftstellers (sowie ähnliche Nachrichten) gelegt:satis ferax, frugiferarum arborum impatiens, pecorum fecunda, sed plerum-que improcera („an Saaten ertragfähig, für Obstbäume nicht geeignet, anViehherden reich, aber unansehnlichen“), in denen doch die Ergiebigkeitan Fruchtgetreide und der Reichtum an Viehherden zugestanden wird,