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Vorzüge, die gerade zu Tacitus und Cäsars Zeit sich gegen das InnereGennaniens noch steigerten, während in den Rheinlanden durch das Ein-dringen der Sueben, Chatten und anderer kriegerischer Stämme Aus-nahmszustände geschaffen waren.
Wie falsch das auch bei Mela und Plinius nach einem allgemeinerenSchema 05 ) begegnende Bild des ungeheueren Urwalds und der ver-schwindenden Anbaufläche ist, zeigen am deutlichsten die Ausgrabungenund Fundstatistiken, wenn sie auch für manche Teile Deutschlands undauch der Rheinlande noch recht mangelhaft sind. Doch liegen gerade fürdie Rheinlande eine größere Anzahl wertvoller Vorarbeiten vor,welche die Grundlagen zu einer vergleichenden Be-siedelungsgeschichte bieten.
1. Vor allem ist des prächtigen Werks unseres ältesten und ver-dientesten Forschers auf diesem Gebiet, Georg W o 1 f f s, „Die südlicheWetterau in vor- und frühgeschichtlicher Zeit“, zu gedenken, mit einerarchäologischen Fundkarte (Frankfurt 1913), ein Werk, welches mitUnterstützung des deutschen archäologischen Instituts bzw. der römisch-germanischen Kommission in Frankfurt herausgegeben, das umfangreiche,aber sehr zerstreute Fundmaterial der südlichen Wetterau in vorbildlicherWeise zusammenfaßt. Das Hauptergebnis für die vorrömische Periodebesteht in dem einwandfreien Nachweis, daß schon von neolithischen Zeitenab ein erstaunlich großer Teil des Landes besiedelt war und zwar nichtnur in Klein- und Einzelsiedlung, sondern auch mit größeren geschlossenenDörfern, die an Ausdehnung den heutigen oft wenig nachstehen. . Eineweitere wichtige Erkenntnis lehrt uns, daß in den weidereichen Fluß-tälern und an den Gebirgsrändern bisweilen ganz andere Volksstämmesaßen als zu gleicher Zeit oben auf den baumlosen Lößplateaus mitihren leicht zu bearbeitenden Fruchtböden, wobei die Jäger und Hirtenals Herrenvölker nicht selten die Bauern für sich arbeiten ließen, genauwie in Afrika und anderwärts. Besondere Anerkennung verdient dieAnknüpfung der Besiedelung an das Wegenetz und die Behandlung derKontinuitätsfrage, wenn sie auch erst für die römische Periode zu vollerGeltung kommen. Beachtenswert ist ferner die Feststellung der band-keramischen und La-Tene-zeitlichen Bauerndörfer auf der Höhe der Löß-rücken, während die heutigen Dörfer etwas tiefer in die wasserführendenund windgeschützten Mulden herabgerückt sind. Neuerdings hat dannG. Wolff im Arcli. f. hess. Gesell, u. Alt. XIII (1920), S. 1—50 („DieBodenformation der Wette rau in ihrer Wirkung aufdie Besiedelung in vorgeschichtlicher Zei t“) in fein-sinniger und erschöpfender Weise die Zusammenhänge zwischen Boden-gestaltung und Besiedelung in der Wetterau dargelegt und als Haupt-ergebnis die Überzeugung gewonnen, „daß in der fruchtbaren Wetterauvon der jüngeren Steinzeit bis an die Schwelle der historischen Periodenim Kern dieselbe Bevölkerung gesessen hat, wenn auch zeitweilig viel-