tierung, die nur in den Gegenden, wo die Megalith- und Rössen-Schussen-rieder Kultur auch in der Bronzezeit weiterwirkte, einigermaßen denschönen neolithischen Mustern in Gravierung, Tiefstich oder Kerbschnitttreubleibt, wie im Elsaß und in einigen Teilen Südwestdeutschlands.Auch in der Mannigfaltigkeit und individuellen Behandlung der Bronze-formen stand der Süden hinter dem Norden zurück, der jenem anschöpferischer Kraft weit überlegen war, obwohl der Süden sich zahl-reicherer fremder Vorbilder aus „klassischen“ Landen erfreute. Immer-hin aber ist neben den kerbschnittverzierten Tongefäßen auch vielenkeramischen Gebilden der Urnenfelderleute namentlich in technischer Be-ziehung die Bewunderung nicht zu versagen, wenn auch die Verzierungmeist dürftiger ist. Die Neigung zu plastischen Schöpfungen ist nochrecht gering und beginnt sich erst am Schlüsse der Periode unter süd-lichem Einfluß zu regen.
Gegenüber der überraschenden Kulturhöhe der neolithischen Periodemit ihrem hochentwickelten Ackerbau scheint also das Gesamtbildder Bronzezeitkultur unseres Gebietes zunächst etwas zu ver-blassen, gewinnt aber bei näherem Zusehen auch wieder an Glanz. DieJäger und Hirten der Bronzezeit haben allerdings großenteils auf denAnbau der Lößflächen verzichtet, die erst wieder in der La-Tene- undrömischen Periode in volle Bewirtschaftung genommen wurden. Dafüraber haben sie andere bisher fast völlig menschenleere Gebiete ziemlichdicht besiedelt, die Hochfläche der Alb, die Hänge des Schwarzwaldes,der Vogesen und Hardt, fast den ganzen Vogelsberg, welche in neo-lithischer Zeit, abgesehen von einigen Lößoasen der Bandkeramiker,höchstens von kleinen Gruppen der Schnur- und Zonenkeramiker betretenwaren. Die große Volkszahl und Wohlhabenheit, die aus den Hundertenvon Grabhügeln dieser Periode spricht, läßt sich nur erklären durch einehohe Stufe der Viehzucht nach Menge der Viehherden wie Art des Haus-tierbestandes; namentlich die wollespendende Schafzucht muß in be-deutendem Umfang getrieben worden sein. Auch der Ackerbau ist nichtvöllig verschwunden, sondern in den Talebenen von den Überresten derfrüheren Bevölkerung besorgt worden, den Nachkommen der Michels-berger, Rössener und Adlerberg-Kultur, die sich allmählich immer mehrmit der herrschenden Klasse mischten. Außerdem haben die Pfahlbauten-Kolonien am Ackerbau festgehalten und manche Fortschritt erzielt (Spelt,Hafer, Bohne, Linse). Auch der Hausbau hat wenigstens im Süden durchhäufigere Anwendung des steinernen Unterbaues (Mergentheim, Karl-stein) einige Verbesserungen erfahren, desgleichen die Kleidung durchVerwendung der Wolle. Auch führte die Entdeckung des Metalls zueiner doch wesentlichen Vervollkommnung der Handwerkzeuge undWaffen. Und gegen das Ende der Bronzezeit geschah wieder ein kräftigerRuck nach vorwärts durch die Einwanderung der Urnenfelderleute,