Druckschrift 
Chronik der Familie Johann Jakob Langen in Köln : auf Grund handschriftlicher Aufzeichnungen, der Kirchenbücher der evangelischen Gemeinden Marienberghausen, Mühlheim am Rhein und Bergisch-Gladbach sowie persönicher Mitteilungen im Frühjahre 1899
Entstehung
Seite
31
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schickte mein Vater mich nach Berlin, woselbst ich mich an den Predigten des alten Gossner erbaute, aberzu den Professoren kein Vertrauen fassen konnte. Nachdem ich hier gleichfalls drei Semester studierthatte, kehrte ich nach Köln zurück und diente als Einjährig-Freiwilliger bei dem 28. Infanterie-Regiment.

Während des Dienstjahres besuchte ich gewissenshalber die Gottesdienste in der evangelischenKirche nicht. Als ich nach Ablauf des Jahres meine Papiere der Prüfungskommission nach Koblenzeinsandte und micli zum ersten Kandidaten-Examen meldete, wurde mir geantwortet, es fehle dabei einKirchenzeugniss und die Beitrittserklärung zur Union. Letztere gab ich in der Weise, dass ich schrieb,ich frage weder nach reformiert noch lutherisch, sondern begehre eins zu sein mit allen, die den Herrnfürchten. In dem nachträglich eingesandten Kirchenzeugniss war ausdrücklich bemerkt, dass ich gewissens-halber während des letzten Jahres die Kirche nicht besucht habe. Infolge dessen wurde ich nicht zumExamen zugelassen. Mein Vater verbot mir in dieser Sache weitere Schritte zu thun und ich war froh,dass ich als Lehrling in sein Geschäft eintreten konnte, zunächst auf der Friedrich Wilhelmshütte beiSiegburg und einige Monate später, im Anfange des Jahres 1845, in der Zucker-Raffinerie in Köln amalten Ufer, welche mein Vater derzeit kaufte. Fünf Jahre später wurde ich als Teilhaber in die Geschäftemeines Vaters aufgenommen und im darauffolgenden Jahre, am 25. Mai 1851, heiratete ich ClementineSchumacher aus Wermelskirchen, meine in gemeinsamer Liebe zur Niederländisch-Reförmierten Gemeindein Elberfeld mit mir verbundene Jugendfreundin.

Schon während meiner Studienzeit war ich mit einigen Predigten und Schriften des holländischenDoktors der Theologie, Hermann Friedrich Kohlbrügge, bekannt geworden und fand in denselben, wasmir bei den Professoren fehlte, nämlich die unbedingte Unterwerfung unter Gottes Wort und eine tiefeund doch einfache Erkenntniss der Heilswahrheiten. Als daher Dr. Kohlbrügge im Jahre 1846 nachElberfeld kam und dort eine Gemeinde sich bildete, deren Seelsorger er war, schloss ich mich derselbenvon ganzem Herzen an und fand in Dr. Kohlbrügge einen Freund und Berater, dem ich das Beste zuverdanken habe, was ich in meinem Leben fand.

In meiner Ehe mit Clemenline schenkte uns der Herr elf Kinder, von denen vier im erstenLebensjahre starben, während unsere älteste Tochter Elisabeth, an der unser aller Herz mit besondererLiebe hing, im Alter von 15 Jahren nach kurzer Krankheit in die ewige Heimat uns voranging. WenigeMonate nachher, am 3. Februar 1869, folgte ihre Mutter ihr nach. Wenn auch demütig dem Willen Gottessich unterwerfend, hatte sie es nicht fassen können, dass Gott ihre heissen Gebete um Erhaltung diesergeliebten Tochter unerhört liess.

Ein Jahr später schenkte mir der Herr ihre Freundin Amalie Segler als neue treue Lebens-gefährtin. Bei unserer Verheiratung am 8. Mai 1870 stand dieselbe in ihrem 50. Lebensjahre. Allemeine Kinder lohnten ihre treue Liebe mit herzlichster Zuneigung und mir erheiterte sie über 20 Jahrelang meinen Lebensweg. Nach kurzer Krankheit entschlief sie am 27. November 1890. Eine besondereFreude war es für uns beide, alle unsere sechs Kinder glücklich verheiratet und eine Schar fröhlicherEnkel und Enkelinnen aufblühen zu sehen, welche der sorglichen Grossmutter warme Liebe entgegen brachten.

Mein ältester Sohn Johann Jakob wurde, was ich einst zu werden erstrebt hatte, ein Predigerdes Evangeliums Gottes und steht jetzt als Pastor der neubegründeten reformierten Gemeinde in Osnabrück.

Meine Zwillingssöhne Gerhard und Rudolf sind Teilhaber in dem Geschälte meines Vaters,welches ich 1896 nach dem Tode meiner Brüder, gemäss Vereinbarung mit deren Erben, übernommen habe.Mein vierter Sohn Reter ist kaufmännischer Leiter in der Direktion der Gasmotoren-Fabrik Deutzund mein jüngster Sohn Hermann arbeitet fleissig in dem mühevollen Beruf eines Landwirtes auf dem