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Die freien Herrn und Grafen von Zimmern : Beiträge zur Rechtsgeschichte nach der Zimmerischen Chronik
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in den Niederlanden hatte sich heimlich mit einem jungenKaufmann vermählt und heirathete dennoch später auf Wunschdes Königs Maximilian einen Grafen von Sonnenberg. »Sol-lichs wesen weret ain Zeitlang, aber der Schwab fiengs anbald zu merken, der het ein deutsch gemüet, wolt nit lengerhenselin sein, und als er alle Sachen nach notturft hett er-kündiget, do pracht er die sach für den kaiser. Also ward die fraw irer misshandlung halb gefangen, vom grafen ge-schaiden und ir lebenlang ingemaurt«; was aus ihrem erstenEhemann geworden, weiss die Chronik nicht *). Aus derZeit Heinrich IV. wird ei'zählt, dass der Bischof H. von Augs-burg »sich im frawenzimmer so heimlich macht und demlet,das des kaisers leipliche Schwester ain kindt bei ime het«;der Kaiser lässt ihm nachstellen und bekömmt ihn endlich inseine Gewalt und lässt ihn durch Diener in ein besonderesZelt führen: »daselbst waren andere, die fürten ine zu aimblock, daselbs zogen sie im das geschier und den weiber-werkzeug herfur, legten ime den uf den block und zu seinerstraf begangner handlung do schlugen sie ime ain hilzinpfal durch« 2 ). Von sonstigen Unzuchtsfällen aller Art er-zählt die Chronik an vielen Stellen 3 ); ebenso von Ehebrüchen,und sie gedenkt mit Behagen solcher Fälle, in denen sich diegekränkten Ehemänner zu energischer und drastischer Selbst-hilfe entschlossen 4 ).

Von den Verbrechen wider das Leben 5 ) wird mehr-fach des Mordes gedacht, welcher stets mit dem Tode be-straft wird; in erschwerteren Fällen werden die Thäter mit

! ) Chronik II. 255; vergl. auch III. 545 47.

2 ) Chronik I. 77 fgg. Vergl. dazu Grimm; R.A., erste AusgabeS. 709 fgg., Liebrecht in der Germania XIV. 387. Weit verbreitetder Beisitz, Concubinat, z, B. II. 535, 650, III. 128, IV. 85, aber in manchenStädten schritt man streng dagegen ein: vergl. z. B. IV. 77. BlutschandeI. 478 fg. Crimen bestialitatis: III. 308. Ueber einen NothzuchtsfallIII. 628 fg.; vergl. auch I. 528, 29 und II. 536.

3 ) So z. B. Chronik II. 553 fg., III. 627, IV. 77 fg., 204.

4 ) Chronik II. 462, 84 fg., 636 fgg. Vergl. auch III. 532 densc hmählichen Handel, der unter Froben Christof vor dem Hofgericht zu Rot-weil verhandelt wurde.

5 ) Ueber den Begriff von Mord und Todtschlag im Recht desspäteren Mittelalters vergl, von Bar S. 94. Einen Fall echter Noth-wehr bei der Tödtung vergl. von Bar 97 erzählt die ChronikIII. 513.