Druckschrift 
Die freien Herrn und Grafen von Zimmern : Beiträge zur Rechtsgeschichte nach der Zimmerischen Chronik
Seite
7
Einzelbild herunterladen
 

das Reich Partei zu nehmen, und wahrhaft erfrischendist es, zu sehen, wie gelegentlich der Stolz auf deutschenSinn und deutsches Sein, der Zorn über wälsche Arglist undspanischen Hochmuth, die helle Freude an all dem Schönenund Reichen, welches das Vaterland darbietet, kräftigen Aus-druck findet 4 ).

Erfreulich ist auch der gute edelmännische Sinn, der sichin der Chronik ausspricht. Dass die beiden Grafen, welchean derselben mitgearbeitet haben, mit Genugthuung des Altersund der uralten Freiheit ihres Geschlechts gedenken, istnatürlich genug; in der Werthschätzung der Stellung des-selben gehen sie wohl hier und da zu weit, aber im All-gemeinen sind sie frei von jedem Standeshochmuth und inder Beurtheilung der Fehler ihrer Vorfahren völlig unbefangen;von den Pflichten ihres Standes haben sie sehr ernste undwürdige Anschauungen und oft mahnen sie ihre Geschlechts-genossen, diesen nachzuleben und die Ehre der Familie hoch-zuhalten; insbesondere die Uneinigkeit und Missgunst unterden Blutsfreunden wird scharf verurtheilt und den Nach-kommen Einigkeit und Zusammenhalten als lobwürdig ge-priesen 2 ). Sehr verständig und wohlwollend sind weiter diewirthschaftlichen Anschauungen der Verfasser. Nicht genugweiss die Chronik zu klagen über die Verschuldung der Güterin Folge von unnützen Schenkungen, leichtsinnigen Veräusse-rungen, übermässiger Prachtliebe und schlechter Wirthschaftder Besitzer 3 ), und andererseits spendet sie warme Aner-kennung denjenigen Vorfahren, welche sich durch weisesHaushalten, Mehrung und Erhaltung des Familienguts, gütigeund verständige Behandlung der Hintersassen und eigenenLeute bemerkbar gemacht haben 4 ).

Die Verfasser der Chronik, mindestens die beiden Grafen,waren wohlbelesene, gelehrte und vielseitig gebildete Männer.Das von Froben Christof angelegte Quellenregister lässt die

Beispiele: I. 242, 471, 481, III. 347, 49, 553, 83 fg., 601.

2 ) Beispiele: Chronik I. 80, 147, II. 233, 70, 82, 85, 89, 609.

3 ) Uebermässige Schenkungen an die Kirche: I. 49, 163, 66, 352,II. 282. Unwirthschaftlichkeit, Bedrückung der Unterthanen: I. 88, 94 fgg.,112, 171, 203, 57, 87, 332, - II. 277, 82, 353, 489, III. 18 fg.. 103 fgg.,- IV. 13.

") Chronik I. 80 fg., 167, 193, 202, 219, 24, 37, 412, 28 fg., 34,463, 89, 579, und viele andere Stellen.