jeder Gutherzige bedauern, dass sie mit so unglückhaftigenSekten und Schwärmereien behaftet seien: der Allmächtigeverleihe ihnen die rechte Erkenntniss; — und der Graf Wil-helm Werner glaubt einen Bewerber um die Stelle des Kam-merrichters vorzugsweise deshalb empfehlen zu können, weiler ein guter Catholicus sei 1 ).
Aber trotz dieser ausgeprägt kirchlichen Gesinnung odervielleicht gerade wegen derselben klagen die Chronisten inder herbsten und bittersten Weise über die Missstände in derKirche. Immer wieder kommen sie zurück auf die Begehr-lichkeit, die Prachtliebe, die Hoffart und Ueppigkeit, die inden Klöstern und in den Kreisen der Weltgeistlichkeit herrsche;geradezu erschreckend ist, was von dem Leben und Treibenin einzelnen Ordenshäusern und kirchlichen Vereinigungen,was von den lästerlichen Handlungen mancher Cleriker er-zählt wird; gegen die grobe Vernachlässigung und den Miss-brauch des Predigtamts, gegen das »äffen- und bossirenwerk«,das auf den Kanzeln getrieben werde, wird mit beweglichenWorten geeifert und strenge Anklage erhoben gegen »diemissbreuch, die sich in der kirchen eingerissen und unsercatholische kirche so schandtlichen diffamirt und geschent« ;viele dieser Missbräuche — Gaukelwerk und Baalsdienst nenntdie Chronik einmal dieselben — werden besonders hervor-gehoben, die Verachtung der Kirche davon hergeleitet, unddann doch entschuldigend ausgerufen: Was kan aber diereligion, unser christenliche und unfälige Ordnung darfur? 2 ).
Wenn in der Chronik die kirchenpolitischen Kämpfe desMittelalters berührt werden, stehen die Verfasser durchausfür das deutsche König- und Kaiserthum ein und eifern gegendie »welschen Prattiken« der Curie mit einer Abneigung undSchärfe, die uns kaum noch verständlich sind 3 ). Ueberhaupt sindsie gut kaiserlich gesinnt, — abgeneigt aller Sonderbündelei,feindselig gegen die »deutschen Franzosen«, gegen alle,welche sich bewegen Hessen, für die Fremden und gegen
Chronik I. 291, — III. 502, — IV. 95 und 285 und die S. 5,Note 4 genannten Stellen.
2 ) Nur als Beispiele seien hervorgehoben: I. 162, 66, 322, 433, II.514, 640 (Klosterleben), — III. 130 fg. (Domkapitel), — II. 499 (Indul-genzen), — II. 470, 90, 96, 604 (Messen), — II. 561, 603, III. 376 fg.(Predigten), — IV. 47 (Wallfahrten), — 1. 430, III. 135 (Clerus überhaupt).
s ) Beispiele: 1. 75, 83, 117 fg., 131 fgg-, 153 fgg., 247.