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2 (1868)
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Capitel IX.

Wilhelm Fricdcniaini Bach,

cler Hallische.

Wird dies traurige Schlussurtheil über ein verfehltesLeben nicht auch auf Wilhelm Friede mann Anwendungfinden, der, Sebastian Bach's Erstgeborener, vor allemdie Aufgabe zu erfüllen gehabt hätte, den Namen, denihm ein seltenes Geschick in so reinem edlen Glänze über-wiesen hatte, fleckenlos zu erhalten, des Vaters künstleri-sche Thätigkeit im Sinn des Fortschritts weiter zu führen,die Kunst selbst als ein heiliges Vermächtniss zu betrach-ten, das ihm jener, von unendlich höherm Werthe alsReichthum und Schätze dieser Erde, hinterlassen hatte?Mit schmerzlichem Zweifel weilt der Blick der Nachweltauf diesem Lieblingssohne des grossen Tonsetzers, in dessemGeiste die seltenen Gaben des Vaters neu verjüngt empor-zublühen schienen.

Wilhelm Friedemann war im Jahre 1710 zu Wei-mar geboren, der erste von den 21 Kindern Seb. Bach's,der älteste seiner 12 Söhne.

Mit welcher Liebe hatte der Vater diesen Sohn em-pfangen, gehegt, unterrichtet, erzogen!

Von seiner Jugend ist kaum mehr bekannt als vonder Emanuel's. Man weiss nur, dass sich in ihm sehrfrüh die seltenste Befähigung für die Musik zeigte, dasser im Ciavier- und Orgelspiel bald Meister war und derverwickeltsten Aufgaben im Contrapunkt mit spielenderLeichtigkeit Herr wurde.

Als Sebastian Bach im Jahre 1722 von Cöthen nachLeipzig zog, war Friedemann 12 Jahr alt. Damals be-reits hatte der Vater für ihn seine 6 Sonaten oder Trios