Druckschrift 
2 (1868)
Seite
81
Einzelbild herunterladen
 

81

Jßacli. hat in ihm den ersten Sehritt zu dem später so be-liebten Balladenstyl herüber gethan.

Wie wohlthuend ist es, hart am Schlüsse eines soreichen, mühevollen und ruhmerfüllten Lebensganges einerArbeit zu begegnen, die unter dem Schmucke silberhaari-ger Locken noch einmal jene jugendliche Empfindung,jenen poetischen Zauber, jene Grazie zeigt, die uns bei sovielen seiner zahlreichen Werke erfreut.

Wohl die letzte Kritik, welche dem dem Verlöschenso nahen Meister während seiner Lebenszeit zu Theil wer-den sollte, erschien über diese Sammlung, noch ehe dieHerausgabe vollendet sein konnte, in dem Hamburger Un-parteiischen Oorrespondenten vom 18. November 1788(in No. 185) "j-

Nacli diesen Betrachtungen bleibt nur noch ein Blick auf

F. die weltlichen Cantaten

zu werfen, die Bach während seines Aufenthalts in Ham-burg gesetzt hat. Es sind ihrer wenige. Her Katalogseines Nachlasses nennt als solche:

i)Welcher Liebhaber der Musik wird sich nicht freuen, vonunserm würdigen Herrn Kapellmeister Bach eine Sammlung Liederund die Composition einer Cantate wieder zu sehen, nachdem er ihnenseit langer Zeit dergleichen Arbeit nicht geliefert hat. Es wäre un-nöthig zu sagen, dass diese Melodien sämmtlich das Gepräge desmusikalischen Genies ihres grossen Componisten tragen, da es be-kannt ist, dass dieser verehrungswürdige Mann keine seiner Arbeitenöffentlich herausgiebt, die er nicht sorgfältig studirt und geprüft hat.Die Liebhaber werden es auch finden, wenn sie diese Stücke beimCiavier singen, wie sehr der Herr Kapellmeister auf den Inhalt einesjeden Liedes bei der Composition der Melodien, auf die Tonart, aufdie Wahl des Tacts, auf den Rhythmus etc. Rücksicht genommen hat.Die componirten Lieder sind von Hölty, Gleim, Röding, Liit-kens, Ebeling, Elise Unzerinn, Lessing, von Haller. DasSchweizer Nonnenlied: 'S ist kein verdriisslielier Lobe, als indas Klüsterli gehe etc. hat zu allen Strophen eine Melodie erhal-ten, die ungemein charakterisch ist. Eben diese Ehre ist dem Liede

Bitter, Emanuel und Friedemann Bach. II. 0