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2 (1868)
Seite
151
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für 2 Claviere mit obligatem Pedal geschrieben, um ihnfür das Orgelspiel vorzubereiten'). Wer diese wunder-baren Stücke kennt, der wird erstaunt sein zu erfahren,dass sie für einen 12jährigen Knaben gesetzt waren. Nichtweniger aber wird es ihn mit ehrerbietiger Bewunderungerfüllet, dass es dem Vater vergönnt gewesen war, in dieseKnaben-Sonaten einen solchen Schatz harmonischer Tiefeund Kunst, eine so eigenthümliche Besonderheit der Ge-danken niederlegen zu dürfen. Friedemann's Auffas-sungsfähigkeit war eben seinem grossen Gedankenflugebereits gewachsen.

Aber er sollte nicht bloss Ciavier- und Orgelspielerwerden. Aus eigner Erfahrung hatte Sebastian gelernt,dass ein Tonsetzer, der über die Gewöhnlichkeit hinauswill, vor allem der Violine als des Hauptinstruments fürOrchester- und Kammermusik Herr sein müsse. So liesser ihm von seinem 15. Jahre ab durch den damaligenHerzogl. Merseburg'schen Goncertmeister J. J. Graun,der später in die Kapelle Friedrich's des Grossen ge-treten ist, Unterricht auf der Violine geben, damit er nachder Natur dieses Instruments setzen lerne. Durch diesenUnterricht ist Friedemann ein vorzüglicher Violinspielergeworden.

Dass er zugleich die Thomasschule besuchte, ist selbst-verständlich.Nach öffentlicher Valediction von derselbenschritt er zu den höheren 2 ) Wissenschaften auf der Uni-versität Leipzig, allwo er unter den Professoribus Jochesund Ernesti die Philosophie und insbesondere unterDr. Rüdiger die Vernunftlehre studirte. Ueber die In-stitutiones hörte er die Herren Dr. Köstner und Dr. Joa-chim und bey diesem letzterm besonders die Pandecten,bey dem Herrn Dr. Stieglitz Wechselrecht, und bey denHerren Professoribus Haussen und Richter die Mathe-

1) Forkel, Seb. Bach's Leben und Werke. S. 60.

2 ) Marpurg's histor. krit. Beiträge. Bd. I. S. 431.