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vergebens; aber Natur und Einfalt ersetzen diesen Mangeldesto reichlicher. Das Zärtliche und Verliebte gelang ihmbesser als das hohe Tragische. Seine scherzhafte Muse hatviel glückliche Einfalle: sie ist mehr witzig als launig,daher wurden seine komischen Opern in London nie langegoutirt. Seine Ballete in beiden Arten sind vortrefflichund dollmetschen den ganzen Sinn der Geberdensprache.— Seinen Kirchenstücken fehlt es nicht an Würde undAndacht. Er hat für Rom und Neapel einige Messen ge-setzt, welche daselbst allgemeine Bewunderung erregten.Auch für London schrieb er einige Psalmen in wahremantiken Geschmacke. Sein Te Deuin laudamus ist einsder schönsten, die wir in Europa besitzen. Die Fugenund Chöre bearbeitete er mit grosser Kunst, ohne in Pe-dantismus zufallen. — Seine Clavierconcerte, Sonaten u.s.w.mit und ohne Begleitung, gehören noch immer unter dieLieblingsstücke des Publikums. Bach spielte das Ciavierselbst als Meister, zwar nicht mit der magischen Kraftseines Vaters oder Bruders in Hamburg, aber doch so,dass ihn Niemand in England übertraf. Weil er verliebterKomplexion war, so strebte er sehr nach dem Beifall derDamen. Dieser Umstand klärt vieles von seinem musika-lischen Charakter auf. Seine Anschmiegung an den Mode-gesclimack, seine oft zu grosse Nachgiebigkeit, seine ge-fällige Condescendenz, da wo der Wohlgeschmack sank;das seinem grossen Geiste so wenig passende Tändeln; dieoft wässerige Leichtigkeit in seinem Satze, da wo er vonNatur zur Schwere geneigt war — all dies rührte vonseiner allzu grossen Liebe für das weibliche Geschlechther. Er war der Liebling der englischen Damen. SeineSinfonien sind gross und prächtig, dieser Schreibart voll-kommen angemessen und für Privatconcerte weit schick-licher, als die Jomelli'schen."
„Bach war einer der fleissigsten Tonsetzer, die jemalsgelebt haben. Seine Stücke belaufen sich auf eine kaumglaubliche Zahl, worin der Vortrag ungemein abwechselnd
Bitter, Emanuel und Friedemann Bacli. II. 10