dem er überall laut und offen erklärt hatte, alles gelerntzu haben was er wisse 1 ). Inzwischen war Haydn einharmloser, wohlwollender, allen Intriguen und Persönlich-keiten fernstehender Mann, „der nie andre Tonkünst-ler tadelte"' 2 ). „Niemand war geneigter als er, fremdenVerdiensten Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen 3 ). In sei-nen Tonstärken zeigte sich oft Laune und Schalklieit,immer aber in einem liebenswürdigen Gewände. SeineAllegros und Rondos, in denen er oft neckende und frap-pirende Motive vorbrachte, waren voll von jenem feinenHumor, den Em. Bach der Musik zugänglich gemachthatte. Oft genug giebt sich in diesen die Schule und dasStudium des alten Meisters zu erkennen. So mag es mitden Sonaten gewesen sein, durch die er diesen lächerlichzu machen die Absicht gehabt haben soll.
Bach aber war seinerseits nicht entfernt der Mann,der in öffentlichen Blättern die Rolle eines kritischen Be-urtheilers spielte. Hähmisches Wesen lag seinem Charakterdurchaus fern. Hätte er zur Kritik auch Lust und Neigunggehabt, so würde es ihm wohl an Zeit dazu gefehlt haben.Auch war er, obgleich der Feder gewachsen und einMann von feingebildetem Geiste, doch nicht eigentlich inden literarischen Formen bewandert. Nur einmal, aus demletzten Jahre seines Lebens, findet sich eine Kritik vor, dieoffenbar freundschaftlichen Zwecken zu dienen bestimmt war.Hätte er zu solchen Arbeiten Lust in sich verspürt, wohlwäre seiner Zeit Berlin der rechte Ort dafür gewesen, unddie Folgen würden dann auch nicht ausgeblieben sein.
Dass Bach grade über Haydn anders dachte, hat ermit Rücksicht auf den mitgetheilten pamphletartigen Ar-tikel authentisch erklärt 4 ):
„Hamburg. In der neulichen Anzeige des Oramer'-
!) Griesinger, Biogr. Notizen über llaydn. S. 103.
2 ) Dies, desgl. S. 210.
3 ) Griesinger, a. a. 0. S. 103.
4 ) Hamb. Unparth. Cofresp. 1785. No. 150.