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2 (1868)
Seite
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matische Haltung findet in diesen elegischen Gefühls-ergiessungen ihre Stätte nicht, lag auch nicht vorzugsweisein Bach's musikalischer Tendenz. Es mag' daher die Be-zeichnung dieser Arbeit alsCantate" nicht ohne Absichtgewählt sein, während die Dichterin siedas Leidenund Sterben u'nsres Heilands Jesu Christi, musi-kalisch vorgestellt" betitelt.

Die lange Reihe von Recitativen mit und ohneAccompagnement und der dazu gehörigen Arien wirktim Ganzen auch hier ermüdend. Dies würde weniger derFall sein, wenn öfters Choräle und Chöre eingeflochtenwären. Es ist auffallend, dass Em. Bach hierin nicht demVorbilde seines Vaters gefolgt ist; er würde sonst mit die-sem Werke unzweifelhaft eine Schöpfung von grossemund dauerndem Werthe hinterlassen haben. Aber auch sowie sie gesetzt worden, ist die Passions-Cantate ein indem edelsten Sinne geschriebenes Werk, voll von musi-kalischen Schönheiten, das nicht selten den höchsten Auf-gaben der geistlichen Musik mit überlegener Grösse undGewandheit gerecht wird, das in vielen seiner Einzelheitenjedes Meisters vom ersten Range würdig, in seiner Ge-summ theit der Kunst und seinem Verfasser zu hoher Ehregereicht. Jenen gewaltigen grossen Ernst, den EmanuelBach's Vater in seine geistlichen Musiken zu legen liebte,mit dem er sogleich in den ersten Takten seine Zuhörerin die geweihte Sphäre der Andacht zu erheben pflegte,die er für die höchste Aufgabe des künstlerischen Cultushielt, wird man freilich bei dem Sohne vergebens suchen.Aber man wird bei ihm Gefühl, lebhafte Accente, einenungemein feinen Sinn für melodische und harmonischeSchönheiten finden, deren der Vater auch wohl mächtigAvar, die er aber nur selten in Anwendung zu bringenfür gerathen hielt. Sebastian Bach hatte für die Kircheund ihre religiösen Zwecke gearbeitet, Emanuel Bachschrieb für den Coneertsaal und dessen Publikum. So er-

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