Druckschrift 
2 (1868)
Seite
19
Einzelbild herunterladen
 

19

dem Freunde Bach's, Gehilfen der Handels-Schule zuHamburg, eine Arie darin von Eschenburg verfasst.

Der Hamburger Unpartheiische Correspondent vom22. Februar 1769 enthält folgende Bekanntmachung:

Der Kapellmeister Bach wird am 6. May mit hoherObrigkeitlicher Bewilligung in dem neuen Concert-Saaleauf dem Kamp ein Concert geben und in selbigem einvortreffliches Passions-Oratorium von einem berühmtenMeister auffuhren. Bei dieser Gelegenheit wird Hr. Bachauch ein Ciavier-Concert spielen. Der Anfang ist um7*6 Uhr. Für das Entree wird 1 Mark 8 Sh. bezahlt.Die Billets sind sowohl in seinem Hause in der Neustadt,dem Englischen ßastelhofe gegenüber, als auch bei Hrn.Grund am Fischmarkte zu haben."

Da das Passions-Oratorium nachweislich in denJahren 1768/69 entstanden ist, der Componist sich abernach seiner Stellung zur Kunst sehr wohl als einen be-rühmten Meister bezeichnen konnte, so liegt die Ver-muthung nahe, dass es sich in jenem Concert vom 6. May1769 um dessen erste Aufführung gehandelt habe. Min-destens ist nicht ersichtlich, aus welchem Grunde, wennjenes Oratorium von einem andern Meister gewesen, dessenName verschwiegen worden wäre, während es für E. Bach,der eben erst nach Hamburg übergesiedelt war, Avohl vonInteresse sein konnte, die Aufnahme, welche sein Werkohne die Bezeichnung des Autors finden würde, mitgrösserer Unbefangenheit zu beobachten.

Das Textbuch, in dem Bach so sehr zusagendenlyrischen Grundton gehalten, hie und da mit Sprüchenaus der heiligen Schrift durchzogen, stellt die Leidens-geschichte Christi in ähnlicher Weise dar, wie dies durchRammler's Tod Jesu geschehen ist. Das recitativischeElement ist vorherrschend, aber wie dort durch die ausdem Epischen in die Lyrik übergehende Poesie zu jenermelodiös-declamatorischen Richtung der Musik hindrängend,in welcher sich Em. Bach so sehr gefiel. Eigentlich dra-

2*