Druckschrift 
2 (1868)
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Sturm der Empörung aufbrausenden Volke, als Gegen-satz gegenüber steht, so lange erhält sieh das Oratoriumauf der Höhe eines bewegten, künstlerisch und musikalischanregenden Lebens, tritt aber dadurch auch zugleich aus demengen Rahmen heraus, den dieRegeln" sehr unnöthigerWeise vorzeichneten.

Mit dem ersten Theile hören aber diese Gegensätzeauf. Die Handlung wird nirgend mehr durch spannendenWechsel belebt. Die ganze Dichtung des zweiten Theilsist gegenstandslos. So steigt das Werk von der Höheherab, auf der es sich bis zum Schluss des ersten Abschnittserhalten hatte.

Der Dichter hatte geglaubt, durch den prophetischenHinweis auf das Kommen des Messias deu Mangel anHandlung ersetzen zu können. Aber dieser Hinweis würdenur von Wirkung gewesen sein, wenn es möglich gewesenwäre, ihn mit der Geschichte des Zuges der Juden durchdie Wüste in einen inneren Zusammenhang zu bringen.Diesem Zuge war aber die nach mehr als tausend Jahrenbevorstehende Erscheinung Christi völlig fremd.

Hätte der Dichter, der völlig vergessen zu haben scheint,dass das Mosaische Gesetz, durch dessen Verbildung undVerknöcherung die göttliche Sendung des Messias bedingtworden ist, damals noch gar nicht gegeben war, nichtbloss den äusseren Schwierigkeiten des Zuges in der WüsteRechnung getragen, sondern auch die Gefahr des Abfallsvon dem einigen Gotte, die Verleitung zum Götzendienstein der Anbetung des goldenen Kalbes und die durch dengrossen Propheten herbeigeführte Gesetzgebung für diemusikalische Darstellung benutzt, dann würde er zwarwohl gegen die Regeln seiner Zeit Verstössen haben; erhätte aber ein Gedicht geliefert, das den Genius des Ton-setzers nicht eingeengt, sondern gehoben hätte, und dasmuthmasslich noch jetzt für sich selbst wie für die ihmgewidmete Musik eine dauernde Geltung in Anspruchnehmen dürfte.