Aii Hrn. Breitkopf in Leipzig.
Hochedelgebohrner, hochgeehrtester Herr,theuerster Freund 1 ),
Madame Winter hatte mir meine Concerte 2 ) verarrestirt,olmgeachtet sie nach unserer Abrechnung mir mehr als100 Kthlr. herausgeben soll und sie überdem den ganzenVerlag unserer gemeinschaftlichen Bücher 3 ) in ihren Hän-den noch bis dato hat. Zur Ursache gab sie an: ich hätteSie gebeten, mir das ganze depot in Leipzig von den ge-meinschaftlichen Büchern hieherzuschicken. Mein Willewar nun, von Ihnen zu erfahren, ob von diesen Büchernnoch viele in Leipzig wären, weil ich vom seel. Winterin 5 Jahren keine Nachricht davon kriegen konnte, under auch zuletzt weder mir, noch andern etwas schickte,folgl. glaubte ich, es ist alles vergriffen. Nun war zwarnicht nöthig, das geringste hiervon zu sagen, was einFreund dem andern vertraut, wie ich denn auch ruhigwurde, da mir Winter den Bestand meldete: Da es aberdoch geschehen ist, so musste nicht mehr gesagt werden,als wahr war. Seyn Sie, verehrtestcr Freund, demnach sogütig und melden Sie mir mit der ersten Post Ihr Ver-theidungen, (?) und schicken mir, wenn Sie ihn nochhaben, meinen Brief mit hieher. Sie glauben nicht, wasich für Aergerniss deswegen gehabt habe. Endlich sollenmeine Concerte unterwegs seyn. Mit was für Gelegenheit
b Orig. im Besitz des Hrn. Kapellmeister J. Rietz in Dresden.
2) Muthmasslich die 1772 erschienenen t> leichten Flügel-Concerte.
3 ) Offenbar der Vorrath der ersten Ausgaben der wahren Kunstdas Ciavier zu spielen.