— 156 —
er dagegen: „Der zweite Versuch in Hexametern ist auchvon mir." Somit ist kaum anzunehmen, dass er an demWerkchen einen weitergehenden Antheil gehabt habe. Dementspricht auch die Vorrede, indem sie sagt, dass die Com-ponisten der drei Versuche „den grössten Meistern derKunst" angehörten, welche dse freundschaftliche Gefällig-keit gehabt hätten, sich zu ihnen herabzulassen.
Wer die Stücke No. 1. und 3. gesetzt habe, istnicht bekannt. Dem oben gedachten Epitheton gemässwürde man auf Graun schliessen können, wenn dieser imJahre 1760 noch gelebt hätte. So bleibt die Waid zwischenAgricola, Kirnberger, Fasch und Quantz, die unterden Berliner Tonsetzern mit besonderem Interesse für denGesang geschrieben haben. Hervorragendes haben sieebenso wenig geleistet, als Emanuel Bach. Somit ist dieEntscheidung dieser Frage nicht von grosser Bedeutung.
Die Musik dieser Versuche bewegt sich auf dem Bodender melodiösen Declamation, wie wir ihr bei Bach in seinenspäteren Werken, zumal den Oratorien und dem Morgen-Gesange wieder begegnen werden. Jedoch verschwindetin ihr die eigenthiimliche Scandirung des Hexameters sogut wie ganz. Es ist aus ihm eine gewöhnliche Declama-tionsform geworden, somit der eigentliche Zweck der Arbeitnicht innegehalten. Hie und da durch Wiederholungengeschärft, von Recitativen durchflochten, im häufigenWechsel der Tempi, ohne eigentliche Steigerung und Schluss-Erhobung bieten diese Versuche, die man kaum anders dennals Solo-Cantaten bezeichnen kann, ein gewisses buntesHintereinander und Ineinander von Melodie und Declama-tion ohne organische Gliederung und ohne dass ein Ge-danke sich von dem anderen durch besondere Kennzeichenund Merkmale unterschiede. Mag Einzelnes als schönhervortreten, wie in dem ersten Versuch aus dem Messiasdas Allegretto: