Das war Gottes gewaltige Hand, und ein jeder mußtesich darunter beugen. Daß aber diese gewaltige Predigtdes allmächtigen Gottes einen tiefcrn Eindruck als mancheandere, darinnen er seine Liebe und Gute geoffcnbart, ge-macht, konnte man wohl in dem Ernste der Gesichter lesen.
Dennoch ließ uns Gottes GnadeNicht verderben dieses Jahr,
Sondern gab, daß allenthalbenAuch für uns noch übrig war.
Im Herbst verlebte unser Karl seine Ferien imSeptember bei uns, wo auch Emilie ans einige Tage hierwar. Während seiner Anwesenheit besuchte uns auch anseinen Nachmittag der Jnspector des Lindenhvfs in Mein-stedt, Pastor Kobelt, mit dem wir einige trauliche Stundenin nnscrm Hause und auf der Ruine Hardenberg verlebten.
Nach Beendigung unserer Feld- und Gartencrnte kammein Geburtstag, ein Festtag für meine Hausgenossenschaft,da wir an diesem köstlichen Herbsttage eine Partie nachder Ruine Plcsse unternahmen, »voran auch unser Rudolfnoch Thcil nehmen konnte. Wir waren alle herzlich ver-gnügt und freuten uns der köstlichen Hcrbstlandschaft, dieman von dem hohen Thurme der alten Ruine überschauenkann. Große und Kleine fühlten sich an diesem Tage wohl.
Am 10. Oclober reiste Rudolf wieder ab, und am 10.November feierten wir auch in diesem Jahre den Martins-abend in Nordhausen, und zwar zum letzten Male im altenKirchenhanse, wo meine Eltern über 30 Jahre und meinBruder auch schon an 16 Jahre gewohnt hatten, denn meinBruder wollte den beschwerlichen Dienst wegen meinerSchwägerin, die das Läuten nicht mehr ausführen konnte,aufgeben.
Da der Martiustag ans den Sonnabend fiel, so bliebenwir den Sonntag über dort, und ich besuchte mit Rudolfdie alte Domkirche, das ehrwürdige Baudenkmal KaiserOtto I. und seiner Mutter Mathilde. Rudolf war währendseines Aufenthalts in Nordhansen noch nicht darin gewesen.Dann konnten wir noch der Predigt in der St. Blasiikirche