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2 (1893) Vom Jahre 1867-1878
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im Gange war, an den öfter ankommenden Briefen, die eran Emilie schrieb. Wir schwiegen aber still, weil doch vonirgend einer Seite eine Erklärung an uns abgegeben werdenmußte.

Zum Besuche unserer Verwandten in Nordhanscnwählten wir auch in diesem Jahre wieder den Martins-abend, den wir im fröhlichen Kreise bei meinem BruderAugust verlebten. Wir blieben vier Tage dort und machteich in denselben auch Rudolfs Musiklehrer Herrn Havellandeinen Besuch. Seinen Vater, der das Amt eines Schächtersund Vorbeters bei der jüdischen Gemeinde in Nordhansenhatte, habe ich noch sehr gut gekannt. Der Sohn warSchriftsetzer und arbeitet in der Müllerschen Druckerei. Erist bei Gelegenheit seiner Verheirathung mit einem christ-lichen Mädchen zur christlichen Religion übergetreten. Inseinem Fache und als Musiker ist er ein tüchtiger Mensch,inwieweit er aber mit seinem Christenthum einen festenGrund gefunden, wage ich wenigstens nicht zu behaupten.Denn wie mir seine Frau erzählte, haben die Juden beieiner schweren Krankheit ihn allesammt gepflegt und mitallem verschen, woraus ich wohl schließe, daß er mit demHerzen mehr Jude als Christ ist. Doch davon abgesehen,muß ich gestehen, daß er an Rudolf sich wirklich alsuneigennützig und sehr tüchtig bewiesen hat, denn er ver-langte bloß für jede Stunde, zu der er noch dazn in meinesBruders Hans kam, 30 Pfennige, und hat ihn in einemJahre außerordentlich gefördert.

Der überaus milde Herbst ließ uns im Garten nochmanche Arbeit besorgen, und so rückte das Weihnachtssestdiesmal fast schneller als sonst heran. Da erhielten wirvon Karl Koch einen Brief unterm 5. Dccember, worin erförmlich um Emilien bei uns anhielt. Ich schrieb ihm:

Daß Dil Dir den Schritt, den Du thun willst, reiflichüberlegt hast, daran können wir nicht zweifeln. Daß abereine so hohe, wichtige Sache, die uns unerwartet kam, auchunsererseits reiflich erwogen werden mußte, liegt ebensonahe, und hat deshalb die Verzögerung meiner Antwort