sie blieb aber noch bei Hogreves und sonnte sich nun schonselbst etwas verdienen, da sie im Jahre 40 Thaler Gehaltbekam.
Zu Marlini reisten wir nach Nordhansen zu meinemBruder, um den Martinsabend zu feiern und Rudolf zubesuchen, der zu Michaelis mit in den Confirmandennntcr-richt gegangen war. Als wir zurück kamen, hatte es hierschon tüchtig geschneit.
Am l5. November zeigte uns Otto Koch seine Ver-lobung mit Helene Kümpel geb. Christophe an, mit welcherer sich im Januar 1875 verheirathcte.
Für Rudolfs Schulzeit war dies Jahr insofern merk-würdig, als in demselben am 2. und 3. Juli das 350»jährige Jubiläum des Bestehens des Nordhanscr Gymnasiumsfestlich begangen wurde. Zwei Denkschriften wurden denSchülern zum Andenken dieses Festes übergeben.
In Nörten und Umgegend war mit dem herannahendenWinter ein böser Gast eingekehrt, die Masern, an denenviele Kinder starben. Und kaum war der Jubel des Christ-festes bei uns verklungen, so legte sich auch ein Waisen-knabe ins Krankenbett, dem in der Nenjahrswoche 1875noch vier Kinder folgten. Da war unsere Wohnstube aufeinmal zum Lazareth geworden. Donnerstag nach Neujahrlegte sich noch ein Kind, das aber nach einigen Tagen wiederaufstand. Der Znstand des ersten Knaben verschlimmertesich aber, obwohl die Masern gut verliefen, es trat Lungen-entzündung dazu und am 9. Januar starb er. Neun Tagedarauf starb auch am hinzugetretenen Nervenfieber einMädchen, so daß wir in kurzer Zeit zwei Leichen im Hansehatten. Die andern beiden Mädchen genasen. Nur derzweite Knabe krankte weiter an der Tuberkulose, die erschon vorher an sich gehabt. Der Arzt machte uns keineHoffnung. Und so kam's auch, daß er schon nach 6 Wochenseiner Schwester im Tode folgte. Alle drei waren ansSudershausen und liegen auch nebeneinander auf dem Kirch-hofe in Großenrode begraben. Das waren schwere Tageund Stunden, mit viel Sorge und Angst. Doch der Herr,