Am 22. Dccember kam Rudolf von Nordhausen, umdie Weihuachtsferieu bei uns zu verleben, und am 24.Abends traf auch Minchcn aus Hannover ein. Dann wurdeder Weihnachtsbaum angezündet, die Wcihnachtsgabcn zu-rechtgelegt, und die fröhliche, selige Weihnachtsfrende begannund wurde auch durch nichts getrübt Das Gräfliche Paarhatte unsere und die Waisenkinder beschenkt, und am zweitenWeihnachtstage schenkte auch Graf Oscar in Begleitungseines Sohnes Aladar unfern und den Waisenkindern reicheWcihnachtsgabcn und auch einen Christbanm, den wirAbends brennen ließen. Ach ja, es waren recht fröhlicheTage in diesem Jahre, wo wir alle so beisammen seinkonnten, und besonders hatte sich Minchcn so recht daraufgefreut. Sie hatte von Frau Hogrcve ein schönes Sommer-kleid bekommen. So gingen denn die letzten Tage desJahres schnell zu Ende, und am letzten Abend gingen wirzusammen zum Sylvester-Abcndgottesdienste in die Marien-steiner Klosterkirche, und als wir unsere Abendandacht hielten,konnte» wir dem barmherzigen Gott danken für alle Treue,Gnade und Hülfe, die wir in dem verflossenen Jahre vonihm empfangen hatten, und dann legten wir uns still zurRuhe.
1873.
Mit des treuen Gottes Hülfe fingen wir auch diesesJahr an und mit seinem gnadenreichen Beistande habenwir es vollendet. Die Wintcrmonate konnte ich ununter-brochen der Schule widmen. Ostern wurden zwei Knabenconfirmirt. Rudolf wurde Ostern nach Quinta versetzt; erhatte sich zu unserer Freude durch Fleiß und gutes Be-tragen ausgezeichnet. In diesen: Frühjahr fingen wir auchin unser»: Garten an, etwas Tabaksban zu treiben, da diePreise desselben im vergangenen Jahre so hoch gestiegenwaren, daß der Centner mit 12 Thaler bezahlt wurde. ZuPfingsten reiste Emilie nach Nordhansen und hielt sich bei