hat eine Lehrcrstelle in Kiel bekommen, wohin er zu Neu-jahr koinint. Sein jüngster Bruder Rudolf besucht seitdiesem Frühjahr das Joachimsthalsche Gymnasium inBerlin. Er ist so alt wie unser Rudolf. Wie es ihnensonst geht, hat er uns nicht geschrieben.
Am 11. Deccmbcr erhielten wir wieder eine betrübendeNachricht von Koch in Berlin. Meine Schwägerin schrieb:Es hat dem lieben Gott gefallen, unserer armen Hedwigihren jungen Mann zu sich zu nehmen. Denkt Euch ihrenSchmerz, zwei Tage hatte sie ihn gesund, da bekommt erauch das Nervenfieber und Typhus und mußte dabei seinenGeist aufgeben. Die arme Hedwig ist schon halb hin, sieist nicht im Stande zu schreiben, und ich habe auch erstgestern das Krankenlager verlassen und muß noch am Stockgehen. Hedwig sagt ihren herzlichsten Dank für die schöneBibel. Ihr Mann hatte sich sehr gefreut und hat denVers wohl viermal gelesen. Er hat auch selbst schreibenwollen, aber seine Krankheit hat ihn zu schnell gefaßt.Hedwig hätte ihr glänzendes Brod gehabt, aber der liebeGott hat es anders gewollt. Er war erst 25 Jahre alt.Unser Lieschen ist Gott sei Dank wieder ganz gesund. —Ich hatte ihnen folgendes Gedicht in ihre Brantbibel geschrieben:
Sie werden Kränze Dir winden,
Mein licbwcrthcs Brautpaar, hent,
Doch die Kränze werden verschwinden,
Wie Alles, was die Erde uns beut.
Sic werden Wünsche Dir bringen,
Daß immer es glücklich Dir geh',
Auch die Wünsche werden verklingen,
Wie das Glück wird vertrieben vom Weh.
Sie werden Gaben Dir reichen,
Zum Zeichen, daß Freunde sie sein,
Doch Alle, sie scheiden und weichen,
Und Du stehst dann wieder allein.
Auch die rosige Jugend verbleichet,
Wenn der Lcbcnshcrbst nach und nach naht.
Und wenn Du ihn einst hast erreichet,
Wo endet im Leben Dein Pfad? —
17