Kindcr zn Bette, indem wir gleichzeitig den Morgen- undAbendscgcn beim Aufstehen und Znbettelegen von denKindern bete» ließen. Das ging nun freilich nicht allesgleich nach der Schnur, die Kinder mußten sich erst darangewöhnen und mancher Uebelstand mußte erst beseitigtwerde», che die gehörige Tagesordnung hergestellt werdenkonnte. So wuschen sich z. B. sämmtliche Kinder auf demHofe am Brunnen. Im Winter graucte sich jedes Kinddavor. Wir schafften ein Paar Waschwannen an und ließendie Kinder sich in den Schlafkammern waschen. Sic mußtenauch gleich ihre Bellen selber machen, was früher die Magdmit den größten Waisenmädchen gethan hatte. Ueberhanptsuchten wir die Kindcr an alle häuslichen Arbeiten zubringen. Daneben aber hatten sie auch ihre Spielzeiten,wo wir ihnen möglichst freien Raum ließen.
Als Waisenvater hatte ich auch zugleich die Ver-pflichtung, die Kinder in der Schule zn unterrichten, alsogerade dieselbe Stellung wie im Nettungshause. DerPastor in Großenrode aber war zur Zeit der Administrationder Gräslichen Güter geistlicher Administrator des Waisen-Hanfes und hatte sich als solcher uns einige Tage nachunserer Ankunft vorgestellt, und über den Unterrichtsplanmit mir gesprochen. Bei dieser Gelegenheit wurde auchder neue Katechismus mit Genehmigung des Herrn Grafeneingeführt. Es war dies derjenige Katechismus, über denehemals ein Aufruhr entstanden war, und den man nichthaben wollte, weil er zn lutherisch war. Ich war zwarauch in meiner Jugend ans dem alten Katechismus unter-richtet, indessen hatte ihn unser Pastor Abel im Pfarr-unterrichte auch nicht benutzt, und seit der Zeit hatte ichnun gar allen Geschmack daran verloren. Darum aberwar mir der neue willkommen, weil er sich mehr an dieHauptstücke anschließt, obwohl er ja auch noch viele Mängelhat. Anders erging's mir mit dem Landesgesangbuche.Dasselbe enthält zwar die meisten alten Kernlieder, abersehr verbessert, d. h. verwässert, so daß ich manche alteköstliche Lieder darinnen kaum wieder erkannte. Das ist