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sich erst von Ihrer Spitzbüberei!" „Exzellenz", stotterte Rei-sach, „werden verzeihen, S. K. Majestät haben mich hier alsOberarchivar angestellt." „Das ist mir alles einerlei. Wäreich König, ich hätte Sie in Ketten und Ba^de werfen lassen!"Dann zum General sich wendend: „Herr General, mit diesemMenschen kann ich nicht in einem Zimmer sein. Der oder ich!Einer muß hinaus!" Der Graf war verschwunden, ehe dieGäste von ihrer Erstarrung zu sich selbst kamen. Ein andermalsaß Stein mit einem jungen Frankfurter in seinem Zimmer zuNassau. Da trat Graf Golloffkin, von 1812 her ihm bekannt,herein. Stein erinnerte sich sofort eines Gerüchtes, daß einGerichtshof, dessen Glied Golloffkin war, den russischen Staats-sekretär Turgenieff ohne alle Beweisstücke zum Tode verurteilthabe, und fragte hastig, ob dieses Gerede auf Wahrheit beruhe.Golloffkin versuchte mit einem Scherz zu entschlüpfen. AberStein drang fest auf ihn ein, ob Turgenieff schuldig gewesen seioder nicht. Der Graf versetzte: „Er war wohl kein Verbrecher,nur ein Mißvergnügter!" „Wie stand es mit den Akten?"fragte Stein. „Die waren russisch," sagte Golloffkin achsel-zuckend, „und Sie wissen wohl, lieber Baron, wir im Auslandefranzösisch erzogene russische Herren . .." „Genug!" fiel Steinein, „und Sie verurteilten ihn doch zum Tode?" „Mein Gott,"lächelte Golloffkin, „wir nahmen es damit nicht so genau. Wirwußten ja alle, daß der Mann im Auslande und sicher war."Mit finsterem Gesichte stand Stein auf und sagte mit eisiger,?verachtender Kälte: „Pfui, Herr Graf, pfui, pfui, Herr Graf!"und ging, die Hände auf dem Rücken, stumm im Zinimer aufund ab. Da trat ein Familienglied herein und Graf Golloffkinsuchte das Weite. Den jungen Frankfurter aber durchdrangen,wie er erzählt, heilige Schauer der Verehrung. — Mit eben dieserunbeugsamen Wahrheitsliebe trat Stein auch Freunden entgegen,und das selbst in den Zeiten der größten Not, wo andere meistmeinen, die Wahrheit verschweigen zu müssen. Die Kaiserin-Mutter von Rußland hat dies genugsam erfahren, wie S. 4-tschon erzählt ist, und nicht minder die Gräfin Orloff, einefromme und liebenswürdige Dame aus altem Zarenblute, inderen Palaste es indessen auch bunt und wirr durcheinander ging,wie im übrigen Rußland. Bei Tische sprach sie einst mit Steinüber die Unredlichkeit und Bestechlichkeit, welche durch alle Klassender russischen Beamten hindurchziehe, und daß Unabhängigkeit