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Die Geschichte der Reichsfreiherrn Karl vom und zum Stein
Entstehung
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Wohl rief dieser, die Generalkarte von Frankreich vor sich aus-breitend, von der er wenig verstand: „Wo steht der Feind?"„Der Feind? dahier!" „Den Finger drauf, den schlagen wir!"„Wo liegt Paris?" „Paris? dahier!" „Den Finger drauf, dasnehmen wir!" Aber ganz anders war der österreichische KaiserFranz samt seinem preußenfeindlichen aalglatten Minister Metter-nich gesinnt. Er wollte seiner Tochter Marie Luise, derGemahlin Napoleons, und ihren Nachkommen die französischeKaiserkrone erhalten. Darum war und blieb auch sein Feld-marschall Fürst Schwarzenberg, der Höchstkommandierende derverbündeten Armeen, ein rechter Zauderer. Da wars wiederSteins unwiderstehliche Tatkraft, welche den Kaiser Alexan-der und durch ihn König Friedrich Wilhelm zum vollemSiege forttrieb. Am 29. März 1814 kam Blücher vor Parisan; am folgenden Tage nahm der Drauf- und Vorwärtstreiberim Sturmschritt die Höhen des Montmartre und schon am 31.hielten die Verbündeten ihren Siegeseinzug in die stolze Welt-stadt, das gestürzte Babel. — Napoleon wurde abgesetzt undnach Elba verbannt, Stein aber, der Vogelfreie, unter seinereigenen und alleinigen Verantwortlichkeit zum Verwalter auchdes eroberten Frankreichs- ernannt! Er schrieb an seine Frau:„Hier bin ich in Paris. Welcher Abgrund von Unglück, ausdem wir gerettet sind! Dank der Vorsehung, dem Kaiser Ale-xander und seinen tapfern -Waffengefährten, Russen und Deut-schen. Nur wenn ich das Gefühl, das sich über mein ganzesDasein verbreitet, mit dem des Druckes und des Leidens ver-gleiche, das 10 Jahre mich ergriffen hatte, — nur diese Be-gleichung setzt mich instand, den ganzen Umfang meinesjetzigen Glückes, die Größe meines vorigen Leidens zn würdigen.Der Tyrann hat geendigt wie ein Feigling. So lange es nurdarauf ankam, das Blut der andern zu vergießen, war er damitverschwenderisch; aber er wagt nicht zu sterben,'um wenigstensmutig zu enden. Er nimmt den Gnadengehalt an, er kehrt indas Nichts zurück; er unterhandelt um ein schimpfliches Daseinzu verlängern. Man versichert, daß er seine Tage mit Weinen,mit Seufzen zubringt. Welches Ungeheuer, und welche Ver-, ächtlichkeit!" An Stein aber schrieb ein edler, deutscher Fürst:„Ich muß Ew. Exz. meinen innigsten, gerührtesten Dank dar-bringen für das Glück, welches nun unserm gemeinschaftlichenVaterlande wieder aufblüht. Was wäre Deutschland, was