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Am 4. Juni wurde ein zehnwöchiger Waffenstillstand ge-schlossen. Er erfüllte Stein mit bangen Sorgen. Doch hieli"er fest an dem Worte, welches er am Tage der LützenerSchlacht seiner Frau geschrieben hatte: „Gott werde die Waffender Befreier segnen und die Gebete der Millionen, welche dieKetten der Knechtschaft gebrochen wünschten, gewiß erhören."Unverdrossen wirkte er, um auch Oesterreich in das Bündnisgegen Napoleon zu ziehen. Wie er schon in Rußland in derGemeinschaft mit der anbetenden Gemeinde Kraft und Lichtgesucht hatte, so fuhr er auch jetzt fort, da um Hilfe anzu-klopfen, wo allein Hilfe zu finden ist. Er fuhr von Reichen-bach, wo das Hauptquartier war, öfter mit seinem Freunde,dem frommen Grafen von Geßler. nach dem herrnhntifchenGnadenfrei, um dem dortigen warmen, innigen Gottesdienstebeizuwohnen. Das ärgerte selbst einen Mann, wie Schön,den eifrigen Patrioten; denn das offene Bekenntnis des Glau-bens verzeiht die Welt auch Männern nicht, wie der einzigeStein war. Im gewöhnlichen Schimpftone sagte Schön zuArndt: „Die beiden alten Betväter, — Stein und Geßler, —meinen, die Teufel Napoleon und Metternich mit Bußpsalmenniederbeten zu können."
Der Waffenstillstand lief zu Ende. Ueber Bitten undVe rstehen sah Stein von da ab seine und der Millionen Ge-bete und Bußpsalmen erhört. Sieg folgte auf Sieg, einerglänzender als der andere, bei Großbeeren, an der Katzbach,bei Dennewitz, bei Kulm und Nollendorf, bei Wartenburg, bisendlich die dreitägige Völkerschlacht bei Leipzig den Drängernach Frankreich zurückwarf.
Jetzt endlich traten Bayern und Württemberg den Ver-bündeten bei. Aber schon fing Oesterreich an, in diesen süd-deutschen Mittelstaaten sich ein Gegengewicht gegen die preu-ßische Macht zu sichern, Friedensunterhandlungen mit Napoleonanzuknüpfen und ihm alles Land westlich des Rheins zu ver-sprechen. Stein war durch seine treue Fürsorge für die Tau-sende von Verwundeten auf Leipzigs Feldern und durch dieVerwaltung des eroberten Sachsens vom Hauptquartier der Ver-bündeten, das in Frankfurt a. M. lag, zurückgehalten. Als ervon Oesterreichs Plänen hörte, fuhr er wie ein Blitz zwischendie Friedensunterhändler, und vorwärts gings über den Rheinnach Frankreich hinein, den greisen Blücher an der Spitze,
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