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Die Geschichte der Reichsfreiherrn Karl vom und zum Stein
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kommen. Es ist durch die achtungswürdigsten Zeugnisse be-glaubigt, daß im Uebermaß des Elends französische Soldatensich von den Leichnamen ihrer unglücklichen Kameraden genährthaben und mit der Zubereitung dieser scheußlichen Speise amFeuer beschäftigt gefunden worden sind." Auch in Wilna offen-barte Stein die Wärme seines Herzens, wie die Feuerglut seinesZornes. Eines Morgens, als er mit Arndt am Frühstückstischsaß, trat ein großer, schöner Mann in der Uniform eines fran-zösischen Kürassieroffiziers herein, Herr von Mosel aus Eleve.'„O setzen Sie sich!" rief Stein freundlich, und schenkte ihmeine Tasse Schokolade ein: „Ihren Vater habe ich sehr gutgekannt, er war ein braver Mann!" Nachdem der Kalte, Hun-gernde sich warm und satt getrunken, fragte Stein nach demGrunde des Besuches. „Ich war", stotterte der Kürassier, „preu-ßischer Leutnant bei Jena und trat hernach, in Langerweile zuHause sitzend, gegen die Spanier in die französische Armee!"Schon zuckte Steins Gesicht, und Gewitterwolken sammeltensich um seinen Mund. Mosel sprach weiter: „Ich und meineunglücklichen Kameraden haben mit Freuden vernommen, daßEw. Exzellenz nach Rußland gekommen sind, um sich der unglück-lichen Deutschen anzunehmen!" „Ja", fuhr hier Stein dazwischen,„ja, mein Herr, den Deutschen, allen Deutschen möchte ich gernhelfen im Unglück. Aber ich bin nicht hierher gekommen, deut-schen Edelleuten zu helfen, die sich freiwillig aus Langerweileerbieten und erbitten, für einen Tyrannen ein edles, freies Volkplündern und unterjochen zu helfen. Gehen Sie, die Wege derMenschen sind sehr verschieden. Unsere Wege aber sind die ver-schiedensten. Der meinige führt jetzt nach Deutschland, der Ihrigenach Sibirien."

Endlich durfte Stein den geliebten preußischen Boden wiederbetreten. Doch die Sache der Freiheit war dort noch nicht soweit gediehen, wie sein stürmischer Geist verlangte. Der Königzauderte noch. Jork wollte darum nicht losschlagen, noch imBerein mit andern Patrioten das Volk gegen die Franzosen aus-rufen. Sollte der rechte Augenblick, welchen Gott selbst geschaffenhatte, ungenützt vorüber fliehen? Stein machte dem KaiserAlexander den kühnen Vorschlag: die Provinz Preußen vor-läufig und bis zum festen Abkommen mit dem Könige, welcher,in Berlin noch von einem französischen Heere bewacht, von derProvinz abgeschnitten sei, als ein den Franzosen abgenommenes