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Die Geschichte der Reichsfreiherrn Karl vom und zum Stein
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und Werk fortgerissen. Er wollte, im Sturmschritt seinem Zielezueilend, niemanden stoßen, niemanden über den Haufen rennen,Aber ehe er sichs versah, hatte er es doch getan und fühlte dannmit Schmerz, daß fein Brausekopf ihn in die Fesseln seinerLeidenschaft verstrickt hatte. Wie nun wieder herauskommen?Geradeaus und geradedurch! war auch hier seine Losung. OhneUmschweife bekannte er seineu Irrtum, ehrlich und männlich,und heilte dabei die Wunde, die seine scharfe, kantige Artgeschlagen, durch tatkräftige Liebe. So hatte er einmal einewichtige Urkunde unterschrieben und sie einem Kanzleidiener zurweiteren Besorgung übergeben. Der Unglücksvogel goß in derHast statt des Sandes das Tintenfaß übers Papier. Steinsprang polternd auf und rieb dem armen Schlucker das tinte-triefende Blatt durchs Gesicht, so daß der Erschrockene heulenduud schwarz wie ein Mohr davon lief. Acht Tage später tratderselbe Mann kreideweiß und zitternd mit einem neuen Auf-trage in des Präsidenten Zimmer. Wieder sprang Stein auf,aber diesmal nicht polternd, sondern mit mild und freundlichlächelndem Auge, und drückte dem Diener fest und warm dieHand und ließ darin ein Papier zurück, woriu der Erstaunteeinen doppelten Goldfritzen fand. Fortan wäre der Tinten-bekleckte für Stein durchs Feuer gelaufen, nicht weil er Geldauf seine Wunde bekommen, sondern weil er des großenMannes stummes Bekenntnis verstanden hatte.

Nach diesem allen brauche ich kaum noch zu erzählen, daßStein mit seinen Westfalen fest und warm zusammen wuchs.Zwar Hai sich der rasch Handelnde manch liebes Mal über diewestfälische Bedachtsamkeit geärgert, auch wohl ausgerufen:„Diese langsamen Plattdeutschen wägen alles zu sehr und wollenin dem eben gelegten Ei sogleich den Hahn mit den vollenSporen sehen!" Aber noch in hohem Alter hat er dem BischofEylert erzählt, er habe sich in Westfalen und namentlich derMark am wohlsten gefühlt. „Da habe ich", „schloß er, in einerschönen Gegend die Seligkeit der Einsamkeit genossen. EinStachel der Sehnsucht dahin ist mir geblieben; ich hänge daranmit Liebe." Und die Markaner ihrerseits wußten, was sie anStein hatten. „Es wat eine Zeit", sagten am 29. September1795 ihre Deputierten zu ihm, „da der Bewohner der westfälischenMark in den Räten der königlichen Kammern nicht Ratgeber,Freunde und Beschützer sah; da Kälte, Zurückhaltung, Mißtrauen