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Die Geschichte der Reichsfreiherrn Karl vom und zum Stein
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Beamten und seiner Umgebung nur zunickende Köpfe und ge-bückte Rücken sah. An seine Schwester Marianne schrieb ereinmal: „Ich fühle eine Leere, eine Langeweile, die von demgänzlichen Mangel an Gesellschaft solcher Personen herrührt,die mit mir in Verbindung stehen. Ich habe nichts alsUntergebene um mich mit gezwungenem Lächeln, mit geschmei-digem Knie, nicht ein einziger, an dem ich auch nur dasGeringste hätte!" Wenn ihm freilich ein fester, ernster Willebei seinem Wirken entgegen trat, konnte er aufbrausen, wie einungestümer Strom, dem sich ein Fels entgegenstellt. SeinJugendfreund Rehberg, damals Minister in Hannover, sagt vonihm: „Stein war schneidend bestimmt in seinen Meinungen,sehr lebhaft, heftig in den Aeußerungen, ja, für weiche, nach-giebige Gemüter abschreckend. Aber es war ihm immer um dieSache zu tun, und so fand man ihn auch stets geneigt zuhören und wieder zu überlegen. Hin- und Herreden aber,Schwatzen und Beschönigen war ihm ein Abscheu. Stahlfordert Feuersteine!" — Ein solcher Feuerstein war der kleine,allen Westfalen unvergeßliche Freiherr Ludwig von Vincke.^)Mit dem ist er mehrmals zusammengestoßen, daß die Funkensprühten und beide von einander abprallten. Als aber SteinWestfalen verließ, hat er, alle Reibungen vergessend, beimKönige bewirkt, daß Bincke an seiner Statt Oberpräsident wurde.Ueberhaupt wußte Stein, der eisenfeste, daß man im LebenGeduld üben und entgegengesetzte Charaktere mit Liebe tragenmuß. „Geduld gegen meinen Vater", schrieb er 1785 seinerSchwester Marianne, „muß ich predigen, ungeachtet ich selbstwenig habe und täglich heftiger und reizbarer werde, wegender Schlaffheit und Dummheit des größten Teils der Menschen,die unter mir arbeiten." Und ein Vierteljahr später: „DasGute kömmt nur langsam zustande, man bringt einen Teilseines Lebens damit zu, die Torheiten seiner Vorgänger und dieUngezogenheiten seiner Untergeordneten zu verbessern. Duldsamkeit ist die gemeinnützigste und notwendigste Tu-gend auf diesem Erdenrund." Trotzdem hat seine Feuer-natur ihn nicht selten zur Ungeduld und Heftigkeit in Wort

*) S. Lebensgeschichte des Oberpräsidenten Ludwig von Vinckkvon v. I. Disselhoff. 3. Aufl. Mit Holzschnitten. Geheftet 2V Pfg,,in Partien von 1t) Exempl. 5, 15 Pfg. Kaiserswerth, Verlag derDiakonissen-Anstalt.