Zwei Acliener historische Gedichte des 15. n. 16. Jahrhunderts. 639
Missbrauch an, über den auch Meyer (S. 4 25, § 64 a. E.)berichtet, wo angegeben ist, dass der Rathsschreiber WernerLewe'eine grosse Summe städtischen Geldes ausgegeben habe,um die Privilegien des "Weinzapfens zu erhalten. Wie essich mit der Besteuerung des Weines im 15. und 16. Jahr-hunderte verhielt, ist nicht genügend aufgeklärt. Ira Jahre147 5 weigerte sich Friedrich III., der Stadt das Monopoldes Weinschanks zu ertheilen, 1477 soll dann im Einver-ständniss mit der Bürgerschaft die Weinsteuer auf einige Jahreum vier Gulden für das Fuder erhöht worden sein 1 ). In wel-chem Zusammenhange die Ausgaben des Werner Lewe zudiesen gewünschten und theilweise erreichten Aenderungenstehen, muss vorläufig dahin gestellt bleiben.
Die Verse 41 bis 75 geben endlich nur kurze Andeu-tungen über die mehrfachen Verhöre und die Gefangenschaft(das 'Schlafen auf der Bank'), welche die Beamten und Mit-glieder des Rathes drei Wochen lang zu erdulden hatten.
Der ganze übrige und bei weitem umfangreichere Theildes Gedichtes beschäftigt sich nur noch mit einzelnen Per-sonen. Der Verfasser springt vom einen zum andern, deutetkurz und meist nicht ohne Humor an, was dem einzelnenvorgeworfen wurde, wie viel er in Folge der Untersuchungbezahlen musste, ob er sich durch die Flucht den Verhörenund Ersatzansprüchen entzogen hatte. Mehrfach sind stattder Namen nur die Häuser der Compromittirten genannt, undnamentlich hierdurch erhält das Gedicht vielfach den leben-digen Charakter einer fingirten Wanderung durch die Strassender Stadt, büsst jedoch für uns an Deutlichkeit ein. Es sollennun zunächst diejenigen Angaben besprochen werden, welchemit den bereits von Meyer gegebenen Nachrichten überein-stimmen, daran wird Bich dann eine Uebersicht über die neuenNamen und Nachrichten anschliessen. Einer der am ärgstencompromittirten Beamten war der bereits erwähnte Stadt-schreiber Werner Lewe 2 ); er entfloh denn auch gleich in denersten Tagen der Untersuchung mit sechs anderen Mitgliedern
') Vgl. Haagen, Geschichte II, S. 88 u. 91.
2 ) Die alte Patrizierfamilie der'Lewe', lat. 'Leo', scheint im 15.Jahrhunderte ausgestorben zu sein, der Stadtsehreiber Werner hatihr also wohl nicht angehört.