Zwei Achener historische Gedichte des 15. u. 16. Jahrhunderts. 601
unzweifelhaft auf Grund alten Herkommens, und die Bürger,welche den öffentlichen Frieden der Stadt gebrochen, traf indiesem wie in manchen vorhergegangenen Fällen die schwerste,aber nicht entehrende Strafe '). Nicht alle Schuldigen, viel-leicht nicht einmal die Schuldigsten sind davon ereilt worden,den Patriziern, welche mit den Zünften gemeinsame Sachegemacht hatten, gelang es zu entkommen 2 ). Auch von denHandwerkern wurden einige gerettet, die man grade mit be-sonderem Eifer seitens des alten Rath es suchte; trotz der Be-wachung der Tliore und Mauern wurde ein gewisser TillmannFalk in einer Düngerkarre versteckt aus der Stadt geschafft,während sein Sohn Leonhard durch ein Loch der Stadtmauerentwischte. Der Bildschneider Meister Hartmann verliess die
rieh der Jackensticker ist nur nach seinem Gewerbe genannt; ihmsind insbesondere die Verse 189—216 gewidmet, aus denen hervor-geht, dass er ältere Beziehungen zu Johann von Heinsberg hatte,der ihn, trotz des Anbietens seiner ganzen Habe als Lösegeld,nicht retten wollte. Radermeeher ist wohl eher ein Name alsBezeichnung nach dem Gewerbe, er erinnert an die Rotarii, seit dem14. Jahrhundert in Achen wohnende Lombardische Wechsler. Diebeiden anderen Hingerichteten sind nach bekannten Ortschaftengenannt, Muisbach, (vgl. die Varianten zu Yers 179) jetzt Maus-bach, gehörte der Abtei Cornelimünster, vgl. Kaltenbach, derRegierungsbezirk Achen, S. 214, über Eschweiler S. 209, über BroichS. 261, 382. Wegen der Taufnamen vgl. das Yerzeichniss bei Jos.Müller, Prosa und Gedichte in Achener Mundart, 2. Aufl. 1869,I, 233 ff.
! ) Die älteren Achener Rechtsquellen geben keine Auskunft überdie "Strafgerichtsbarkeit des Rathes und über die Strafe des Friedens-bruches durch Aufruhr gegen die Obrigkeit, letztere ergibt sich aberaus allgemeiner in Deutschland geltender Gewohnheit, für welcheSachsenspiegel II, 13, § 5 Zeugniss ablegt. Das Urtheil über Bürger,welche die Strafe des Schwerts verwirkt hatten, stand später demGrossen Rathe zu, vgl. Noppius, Theil I, S. 115.
2 ) Wie oben bemerkt, hielten Godart von dem Eichhorn und seinSchwager Proist sich noch im Jahre 1430 zu Mastricht auf, von woaus sie beim Rathe ihre Rehabiiitirung betrieben. Die kleine AchenerChronik sagt ausdrücklich, die „principalen" hätten noch in der Nachtvom 1. auf den 2. October, offenbar durch die Verwirrung desKampfes begünstigt, aus der Stadt entfliehen können. Vgl. auch An-lage 8.