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2 (1874) Vom Jahre 1400 - 1865 : mit Ill., 8 Beil. u. Reg.
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598 Zwei Achener historische Gedichte des 15. u. IG. Jahrhunderts.

lieit, welche in jener Zeit, besonders im Sommer, ihre „Ach-fahrt" zum Münster und dessen Reliquienschatz unternahmen,war die leicht durchführbare Rolle des Pilgers ein vortreff-licher Schutz. Die einmal hereingelangten fanden dann leichtein Unterkommen in den weitläufigen Besitzungen der Patrizier-familien oder nahmen Herberge in den Gasthäusern ; die ganzeStadt wurde auf diese Weise so zu sagen besetzt '). Man gingnun von Seiten der Geschlechter zu weiteren Vorbereitungenüber. Da ein Strassenkampf und die Verwendung von Reiternvorauszusehen war, so musste eine für die Angegriffenen alsSchutzmittel eben so wichtige wie für die berittenen Angreifergefährliche Einrichtung beseitigt werden. Nach mittelalter-licher Sitte waren in vielen Strassen der Stadt Sperrkettenangebracht. Diese Hessen die Patrizier heimlich unbrauchbarmachen 2 ). Den zu Bonn getroffenen Verabredungen gemässsollten die adelichen Herren mit ihren Rittern erst im ent-scheidenden Momente und zwar Nachts in die Stadt eindringen,dafür musste ein Thor geöffnet werden können. Selbstver-ständlich waren die Schlüssel in Verwahrung des thatsächlichregierenden Rathes, die Thore von dessen Anhängern bewacht,soweit überhaupt eine Bewachung stattfand. Durch eine Listgelangten, wie eine Quelle berichtet 3 ), die Patrizier in den

J ) Dass die Reisigen der Dynasten sich als Pilger eingeschlichen,sagen alle Quellen ausser dem Gedichte ausdrücklich; aber auch esbestätigt die Tliatsache, indem es jenen Ueberfall ironisch als eine„Achfahrt" bezeichnet: V. 2, 242, 276, 301, 307. Die kleine AchenerChronik gibt den Donnerstag nach Dionysius (22. September) als denTag an, wo die Pilger einzogen; nach der Kölner Cronica (Anlage 2)sind sie am achten und am vierten Tage vor dem Ueberfall, alsovielleicht in zwei als Pilgerzüge auftretenden Abtheilungen, in dieStadt gelangt.

2 ) Alle Quellen berichten dies, das Gedicht allein weiss nichtsdavon, a B eeck und N o p p i u s haben diese Einzelheit nicht. Genaueresüber diesen Punkt gibt Loersch in den Jahrbüchern des Vereinsvon Alterthumsfreundon im Rheinlande, Heft 42, S. 189 ff.

3 ) Windeck allein bringt diese Nachricht in seiner kurzen Ein-leitung zum Gedicht; höchst wahrscheinlich beruht die Erzählung aufmündlicher Ueberlieferung. Nach Vers 83 des Gedichts wären diePatrizier schon im Besitz der Schlüssel gewesen, als sie zur BonnerVersammlung zogen, Vers 101 deutet auf eine besondere List zurErlangung der Schlüssel hin.