Ueber die Ursachen und Folgen der Verfassungsänderung
von 1428.
Zur Erklärung des durch Windeck überlieferten Gedichts.
Das Jahr 1428 ist eins der bedeutsamsten in der Ver-fassungsgeschichte der Reichsstadt Achen. Zum ersten Malewurde in diesem Jahre die seit der Mitte des 13. Jahrhun-derts zu Keclit bestehende aristokratische Form des städtischenRegiments verändert, indem auf Grund einer Vereinbarungzwischen Erbrath und Zünfteu letztere zur Theilnalime anjenem zugelassen wurden. Was bei diesem ersten Versuchegeschaffen worden, hat nur wenige Wochen bestanden. Dieeben zu politischer Geltung gelangten Zünfte überschrittenrücksichtslos die vereinbarten Satzungen, um die volle Gewaltunter Beseitigung aller hergebrachten Rechte ganz und aus-schliesslich in Besitz zu nehmen. Ihre Herrschaft währteetwas über ein Jahr ; im Herbst 142 9 schon gelang es denPatriziern durch List und Gewalt das Joch der „Gemeinde"abzuschütteln und auf einige Zeit die alte Verfassung wiederherzustellen. Das vorstehende Gedicht schildert eingehendund genau die blutige That, welche diesen Erfolg herbei-führte. Sein anschaulicher und lebendiger Bericht verdientvolle Beachtung, bedarf aber der Ergänzung aus anderen Quellenund mehr als einmal der Berichtigung und Erklärung. JedeBesprechung und Erörterung der die Ereignisse von 1429betreffenden Ueberlieferungen hat aber nothwendig anzuknüpfenan den im Jahre 1428 vorausgegangenen Conflict zwischenHandwerkern und Patriziern, und dessen Entstehung und Ver-lauf ist nur zu würdigen auf Grund einer sorgfältigen Be-rücksichtigung der allgemeinen politischen, gesellschaftlichenund wirthschaftliclien Verhältnisse der Stadt. Wenn hierdiese Aufgabe nicht durch einzelne Bemerkungen in Gestalteines Commentars, sondern vielmehr durch eine nochmaligezusammenhängende Darstellung der Vorgänge von 1428 und14 29 zu lösen versucht wird, so darf dafür, abgesehen vondem berechtigten Streben nach einer ansprechenden Form,auch die besondere Rücksichtnahme auf die städtische Ver-