Druckschrift 
2 (1874) Vom Jahre 1400 - 1865 : mit Ill., 8 Beil. u. Reg.
Entstehung
Seite
547
Einzelbild herunterladen
 

Das Jahr 1848.

547

lieiten auf der Ketschenburg; gleichzeitig wurde eine Pe-tition des Stadtraths in liberalem Sinne nach Berlin ent-sendet. An den folgenden Tagen waren die Gemüther inSpannung durch die Nachricht von Unruhen in den Strassender Hauptstadt vom 13. an, die sich zu dem heftigen Kampfezwischen Truppen und Volk steigerten. Es gab zu denken,dass die Nachricht von diesem Kampfe schon in Achencirculirte, ehe der optische Telegraph sie gebracht habenkonnte! Es war ein Beweis der Ueberspanntheit der Ge-müther, dass die Entfernung der Truppen aus der Haupt-stadt auf Befehl des Herrschers und der Erlass der Patentevom 18. und 21. März mit den weitgehendsten ConcessionenManche noch nicht befriedigten. Am 17. war eine Bürger-versammlung im Theatersaale, am 19. versammelten sichBürger Achens in dem nahen Vals. Strassenunfug undExcesse gegen die Wohnung des Stadtvorstehers erfolgtenam 20., die sich am folgenden Tage gegen die Wohnungenmehrerer achtbarer Bürger von Seite einer urtlieilslosenMenge wiederholten, welche in gewissenloser Weise durchdie abenteuerlichsten Gerüchte fanatisirt worden war. Dadie zur Sicherheit aufgebotenen Dragoner, um Blutver-giessen zu verhüten, von den Waffen keinen Gebrauch mach-ten, konnte den Ausschreitungen nicht gesteuert werden.Erst am 22. trat bei Entwickelung von Vorsichtsmassregelndurch Bürger und Militär und durch die Drohung, von denWaffen Gebrauch zu machen, Ruhe ein, die auch am 23.,wo eine allgemeine Bürgerversammlung im Hotel Nuellensstattfand, fortwährte. Am 24. wurde die schwarz-roth-

et

goldene Fahne als Symbol deutscher Einheit, begleitet vonden Behörden, nach dem Dom gebracht, um fortan von derSpitze dieses ehrwürdigen Gebäudes herabzuwehen, an wel-chem seit mehr als tausend Jahren die Geschicke des deut-schen Vaterlandes vorübergegangen waren. Wie bald hingdieselbe, vom Winde zerfetzt, ein Bild der nächstkommen-den Jahre, herunter! Abends wurde im Hotel Nuellens voneiner Bürgerversammlung eine Adresse an die Berliner undan die Wiener entworfen, welche am folgenden Morgendurch eine zahlreichere Bürgerversammlung daselbst ange-nommen und unterzeichnet wurde. Eine an demselben Tage