Druckschrift 
2 (1874) Vom Jahre 1400 - 1865 : mit Ill., 8 Beil. u. Reg.
Entstehung
Seite
163
Einzelbild herunterladen
 

Messingfabriken.

163

handwerk hervor. Am 23. November 1578 erhielten dieKesselarbeiter ihren Zunftbrief, in welchem eine dreijährigeLehrzeit vorgeschrieben war, nach welcher der Lehrlingals Meisterstück einen kupfernen Schinken- und einenKohlenkessel anfertigen und einen Wasserkübel mit kupfer-nen Bändern umgeben musste. Diese Zunft hatte auf dieRathswahlen keinen Einfluss. Wegen Feuergefahr durftedie Messingfabrikation nur in der äussern Stadt geübtwerden. Kein Fabrikant durfte mehr als zwei Schmelzöfenanlegen; auch war die Zahl der Arbeiter auf siebenzehnbeschränkt. In Folge der Schmelzöfen in der äussern Stadtist in manchen Gärten noch heute der Boden kupferhaltigund wenig fruchtbar. Viele Mühlen auf dem Wurmbach,welche später der Nadelfabrikation dienten, waren Kupfer-er das Münster trägt, verziert ist. Dass das grosse getriebeneKaiserbild, in seiner Linken das Münster tragend, in WirklichkeitKarl den Grossen, den Patron der hiesigen Stadt darstellt, ersiehtman auch aus der in Renaissance - Grossbuchstaben gehaltenen Um-schrift, welche lautet: Sanctus Carolus Magnus Romanorum Imperator.Im Hintergrunde dey stehenden Figur des grossen Kaisers erblicktman in gravirter Arbeit den Umring der Stadt Achen mit seinenehemaligen Thürmen und Eingangsthoren, unter welchen sein- deut-lich Marschierthor mit seinen heute nicht mehr existirenden Vor-thürmen zu erkennen ist. Den 6 */ 3 Zoll Rh. breiten Rand desinteressanten opus propulsatum oder malleatnm verziert ein reliefgearbeitetes charakteristisches Laubwerk, zwischen welchem in er-habener Arbeit Scenen einer Jagd ersichtlich sind. Unter den Thierenerblickt man den Edelhirsch, das wilde Schwein, den Hasen etc. undin der Mitte den Waidmann in vollem Costüm, der, von Jagdhundenumgeben, das Blashorn augesetzt hat. Dem Jäger gegenüber ist inHaiitrelief dargestellt das mystische Einhorn, wie es von Hundenverfolgt wird. Anstatt der Abbildung der Jungfrau ersieht man dasSymbol derselben, eine charakteristische Lilie, wodurch also derbetreffende typologische Mythus seine Erklärung findet. Hinsichtlichder Zeit der Entstehung der Schüssel, die ursprünglich vielleichteiner Acheuer Gaffel oder Gilde als Schaumund, Prachtstück zumAuftragen der Erzeugnisse der Jagd bei Festessen diente, würdeman keinen Fehlgriff thun, wenn man die Anfertigung derselben voneinem Meister des Hammerwerks in den Scliluss des 16. Jahrhundertssetzte. Für diese Zeit spricht auch das Costüm Karls des Grossen,desgleichen das des Waidtnauues in der oben erwähnten Jagdscene.«