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Wissenschaftsgeschichtliche Eindrücke eines alten Germanisten : Festgabe zum zweihundertfünfzigjährigen Jubiläum der Weidmannschen Buchhandlung
(1. April 1930)
Entstehung
Seite
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seiner verstorbenen Gattin (Margarete) gesichert ist. Dieses wunder-volle, von innigstem Gefühl und großartiger Wortpracht über-strömende lyrische Schlußbekenntnis ist der persönliche Epilogdes Dichters zu dem vorangehenden Drama. Aber es ist doch nochmehr. Es ist die Auflösung des in jenem Drama vergegenwärtigtenSeelenkampfes, und zwar wiederum in rein dramatischer Form.Nach dem Streitdialog zwischen Ackermann und Tod, den alsdritter Sprecher Gott durch das Urteil beendet, tritt der DichterAckermann selbst nochmals auf die Bühne und redet nun alleinzu Gott. Es ist noch derselbe Ackermann, der vorher den Streitgeführt hat. Aber er ist durch die Entscheidung des Herrn undihre Begründung innerlich umgewandelt. Sein Schmerz hat dieheftige Anklage überwunden, sein Leid ist zur Fürbitte gewordenfür das Seelenheil der geliebten Frau. Und diese Fürbitte bedientsich zwar der kirchlichen Form der Litanei, richtet sie aber alleinund unmittelbar an Gott, unter Ausschaltung aller Anrufungender Jungfrau Maria und der Heiligen, ohne jede Erwähnung desFegefeuers. Hier also redet schon der reformatorische Geist,der von Matthias von Janov berührt ist, hier regt sich diereformatorische Auffassung des Todes, der dann Luther voll dieZunge gelöst hat. Gegen meine Wertung dieses Schlußgebets hatallerdings der Theologe Karl Bihlmeyer in einer Besprechungmeines Buchs (Theologische Quartalschrift, Jahrg. 1927, Bd. 108,S. 370) Widerspruch erhoben. Auch er bemerkt gleich mir:DieAuflockerung der strengen Gebundenheit des Mittelalters durchhumanistische Ideen und Bestrebungen ist bereits deutlich sichtbar."Aber er behauptet demgegenüber:Das Fegefeuer und die Für-bitte für die armen Seelen ist doch im Schlußkapitel klar bezeugt."Eine Fürbitte für die Seele der Frau ist das Schlußgebet selbst-verständlich. Aber ihm fehlt die Anrufung der Heiligen wieder Jungfrau Maria, und obgleich es die Form der Litaneiverwendet, ruft es allein Gott an und im Schlußabsatz Christus.Das Fegefeuer ferner wird nicht erwähnt. Das sind die ent-scheidenden Punkte, um die Matthias von Janow und später dieTaboriten kämpften in Ablehnung des kirchlichen Brauchs. So

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