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haben wir keine Nachricht; seine nächste Sorge wird wohl gewesensein, alte Beziehungen wieder aufzunehmen und neue Fäden zu knüpfen,und zuzusehen, wie seine optimistischen Träume sich in die Wirklichkeitumsetzen Hessen. Briefe aus dieser Zeit sind uns nicht erhalten; dennmit seinen Freunden, deren Kreis sich auf London beschränkte, stander im persönlichen Verkehr; die Beziehungen zu Italien blieben immermehr gelegentlicher Natur; in den Niederlanden und Deutschland gingseine Sonne erst in einigen Jahren auf. Zunächst aber sah das gastlicheHaus seines Freundes Thomas More das lebensvollste, individuellsteseiner Werke, das „Lob der Narrheit", den Niederschlag seiner Welt-anschauung, entstehen, wenn wir auch einigen Zweifel in seine spätergeäusserte Behauptung setzen dürfen, dass er diese Satire in der kurzenFrist von 7 Tagen fertiggestellt habe 1 ). Im Anfang April 1510 machteErasmus eine Reise über Dover nach Paris, wo er vor dem 27. Aprilankam 2 ). Aus der Zeit dieser Pariser Beise sind uns die Briefe 110,175, 169 und App. 465 erhalten. Ep. 169 deckt sich inhaltlich mitep. 110: Erasmus hat Gedichte des Andrea Ammonio aus Lucca, despäpstlichen Nuntius am englischen Hofe, zum Druck nach Paris mitge-nommen; in ep. 169 (Dover, 10. April) erwartet er von Ammonioeinen Brief an Jobst Bade, den Buchhändler in Paris; er theilt ihmmit, dass dem Lord Mountjoy die Vorrede zu den Gedichten wegen derAnspielung auf die Schwächen seiner Standesgenossen missfalle und rätmindestens zu einer Änderung; dieselbe Aufforderung findet sich in ep.110. In seiner Antwort, ep. 175 (London, 19 Mai), wonach Ammonioden geänderten Text sendet, giebt er als Datum des letzten Briefes vonErasmus den 27. April (also ep. 110) an. Augenscheinlich waren dieGedichte Ammonios dem Lord Mountjoy gewidmet, da dieser sonst seineWünsche nicht so bestimmt geäussert hätte und Ammonio ihnen nichtso beflissen nachgekommen wäre. Eine solche Widmung, wie es scheintdie abgeänderte, enthält nun ein undatierter Brief (App. 465), in demsich Ammonio offen um die Gunst Mountjoys bewirbt; auch dieser ge-hört also in den Mai 1510.
Über den Zweck der Pariser Reise erfahren wir wenig odernichts; Erasmus bereitete wohl eine Neuausgabe seiner „Adagia" vor,die 1508 bei Aldo Manuzio in Venedig erschienen waren. Er besorgte
') Epistola apologetica ad Dorpium, vom J. 1515; Opp. omn. IX, 3.
2 ) Drummond erwähnt diese Reise nicht; Gaye (Disquisitionis de vitaErasmi speeimen. Diss. Kiel 1829. S. 77) stellt sie ausdrücklich in Abrede.Durand de Laur (S. 103) legt sie in das J. 1511.
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