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Die Sprache der erzbischöflichen wie der Ratskanzlei, wenigstensdie im Verkehr nach aussen übliche, hat nun die Drucksprache, zu derenBetrachtung wir uns wenden, so stark beeinflusst, dass sie in wenigenJahren dieselbe Entwicklung durchmacht, zu der die Kanzleien Jahrzehntegebraucht haben. Dieser Einfluss fällt in die Zeit der Kämpfe Hermannsvon Wied, als man die Akten von Erzbischof und Rat auf der demersteren feindlichen Seite in Druck gab. Dadurch wurde der Übertrittder Literatursprache zu dem eben gewonnenen Stande der Kanzleisprachebewirkt. Das Verdienst unseres Gennep, des Druckers dieser Kanzlei-akten, ist es, von diesem Zeitpunkt an das gemeine Deutsch derselbenzur Grundlage für die Sprache auch seiner übrigen Drucke genommenzu haben. Dass er aber damit nur dem Geschmacke der Zeit entgegen-kam, beweist der Umstand, dass nach dem Jahre 1543 kein dialekt-kölnischer Druck in Köln mehr gedruckt worden ist.
§ 6. Die Literatursprache. Allgemeines.
Die Sprache, die die Kölner Drucke seit der Einführung derBuchdruckerkunst durch Ulrich Zell c. 1462 zeigen, ist im 15. Jahr-hundert der Stadtdialekt.
Wenn wir nun an die Aufgabe herantreten, Drucke zur Grundlagesprachlicher Untersuchungen zu machen, so ist folgendes im allgemeinendabei zu berücksichtigen.
In den Anfängen des Buchdrucks kannte man die ängstliche Sorgenoch nicht, Druck und Manuskript möglichst in Übereinstimmung zubringen; sondern wir hören oftmals Klagen des Verfassers darüber 1 ),dass der Text seines "Werkes schon im Originaldruck und noch viel mehrin Nachdrucken nach dem Dialekte des jeweiligen Druckortes umgemodeltwürde. Dem konnte nur durch den Korrektor wirksam abgeholfenwerden, wie er in grösseren Druckereien thätig war, während in kleinerenGeschäften der Inhaber selbst dieses Amt versah. Einen berühmtenKorrektor kennen wir in Seb. Brant; namentlich angeführt finde ich dieKorrektur in einem Drucke der Berliner Kgl. Bibl. (Yh. 532; 4°,,Eyn Ermanung Reimenweyss' 1530 s. 1.) in fine: Hans Marsclialgkhat es corrigirt.
Zeichen der Korrektur sind gewiss auch die Druckfehlerverzeichnisse(Erratula), die sich naturgemäss nur in Drucken grosser Firmen finden.
') F. Kluge, Von Luther bis Lessing, Strassburg 2 1888, S. 50 ff.
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