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Jaspar von Gennep und die Entwicklung der neuhochdeutschen Schriftsprache in Köln
Entstehung
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Selbst 1546 ist an diesem Verhältnis nichts geändert. Wir findenin diesem Jahre Rpr. 13, 15 ff. folgenden Sprachstand:

1. mhd. i = i und ei: bystaent, by, daby, schrynen, syn, wyn-garder neben dergleichen, dweil, sein (öfter).

2. mhd. iu nur u in fruntlich, eheluden, truwe.

3. Nachschlagende Vokale sind häufig: aiß"schafft; aen, doch aff-zulassen; dorn, pastoir; viswendigen, huiss.

4. mhd. o = a in van, vor l = om in Aoz«K.

Die Konsonanten schwanken zwischen Dialekt und Schriftsprache.

1. mhd. -&- = Mund&: begeuen, haluer neben überwiegendemhaben, dieselbige, dasselbig, allenthalben, halber.

Im Auslaut und (nach Syncope) vor Konsonant dagegen ist bdurch f (ff) wiedergegeben: erloufft, äff zulassen, aiffschafft.

2. mhd. t erscheint als d wie t in dage neben tagh; zuhalten.Nun endlich macht jedoch die Entwicklung schnellere Fortschritte.1547 (Rpr. 13, 77) schreibt man zwar noch syne, synem neben

überwiegendem ei in gleichsffals (!), sein, weilandt. . ., doch sind bereits1550 die neuen Diphthonge ganz in der Überzahl.

Rpr. 14, 186 ff. (1549) zeigt nur noch vereinzelt i in zuschryuenneben ei in dweil, sein, weither (jedes mehrere Male); heut, missbreuch;hauss, doch huissmeistei:

Auch S. 262 — 63 steht vereinzelt huiss neben meine, sein, seiner,weither; behausung.

Auch die Konsonanten haben damit Schritt gehalten. DieSprache ist also c. 1550 ein gemeines Deutsch, doch mit der Eigen-tümlichkeit, dass stark dialektische Formen sich in bestimmten, meisteinsilbigen Worten halten 1 ). So finden wir in einer sonst gemein-deutschen Sprache:

Rpr. 20, 1 boiss (1559); 20, 4 ansoichen (1559), ebenso Rpr.20, 216 vam; 20, 221 dage (1561); 20, 222 lüde (1561).

Die Schreibung ai oi (= ä ö), welche in den fünfziger Jahrenzurückgetreten war, taucht jetzt wieder auf und hält sich in bestimmten

') Hierzu im Gegensatz bezeichnet A. Gessler, Beiträge zur Geschichteder Entwicklung der uhd. Schriftsprache in Basel, Basler Diss. 1888 S. 13einsilbige Wörter in Drucken als am leichtesten wandelbar. In Köln wenigstenshalten sich mitten in gemeindeutscher Sprache vollständig dialektische Formen,so z. B. 1547 (Brb. 68) doin, dat, huide, vp. 1548 (Rpr. 14) zudoin; 1557(Brb. 77) allet, dat, doin, he, vp, van; 1564 (Brb. 82) doin; 1600 (Rpr. 49) dat,rhaidt etc. Erst 1650 (Rpr. 97) sind diese Formen ganz aufgegeben. Die-selben Wörter halten sich auch in den Drucken am längsten (s. unten § 11).