'■.■:•'>:■
VII. Die kirchliche VergangenheitKöln's in der Gegenwart.
Wenngleich die ältesten Träger des bischöflichenHirtenamts in der Kölner Kirche zwischen den Jahren88—285 uns nur im Dämmerlicht der Geschichte erscheinen,wo kaum noch eine scharfe Trennungslinie zwischen histo-rischer Wahrheit und nebelhafter Ueberlieferung hervor-tritt, so kann es doch durchaus keinem Zweifel unterliegen,dass in der Metropole des Niederrheins die frühesten An-fänge des Christenthums bis in das erste Jahrhundert seinerGründung zurückreichen. Die Hierarchen Köln's sahennoch die Zeiten, als die Adler der römischen Legionensich in den Fluthen des Rheines wiederspiegelten, siewaren Zeugen jener furchtbaren Epochen, als in der Völker-wanderung die glänzende römische Civilisation unter denFusstritten der Barbaren zusammenbrach, als das Christen-thum, welches sich im fränkischen Reich auf dem Schutteder Vergangenheit in jugendlicher Lebenskraft erhobenhatte, dem Feuer und dem Schwert der normannischenEinbrüche unter den schwachen Nachfolgern Karls desGrossen zu erliegen schien. Dem durch die Jahrhundertesich hinziehenden Erfolg glänzender Wirksamkeit folgtefür die Kirche das Zeitalter der Glaubenstrennung, in demder Bruder sich gegen den Bruder waffnete. Ehe nochdie Ruhe in die erbitterten Gemüther zurückgekehrt war,begannen die Gräuel und Schrecknisse des 30jährigenKrieges und der Ludwig'schen Raubkriege, die noch einengrossen Theil der Kirchen und Klöster in Asche legten,welche den Wirren des vergangenen Jahrhunderts nichtzum Opfer gefallen waren.
So schlimm das Zeitalter der spanischen und öster-reichischen Erbfolgekriege auch für die Erzdiöcese seinmochte, so war das doch Alles verschwindend klein gegen-