Der Geldwerth im Mittelalter.
von Xanten bezeichnet wurde. Wenngleich der Erzbischofvon Köln in Xanten die Münze hatte, so hatten die dortgeprägten Münzen doch als Grundlage die Brabanter Mark,welche von der Kölner so weit abwichen, dass in einereinzigen Brabanter Mark zwei Kölner enthalten waren.In der Kölner Mark waren 6 Raderweisslinge (albi votati)enthalten, während ihrer 12 auf die Brabanter und gar24 auf die Xantener kamen. Da aber die Kölner Mark12 solidi enthielt, so musste ein einziger solidus 1 \z Rader-weissling ausmachen = 6 Raderhellern sein. Der Denar hatteden Werth eines halben Raderhellers = J /24 Raderweissling.
Nach L. Korth (Annal. des historischen Vereins fürden Niederrhein, Heft LIV) ist durch die Untersuchungenvon E. Kruse festgestellt, dass um 1399 in Köln der Wertheines Schillings ein für allemal die Hälfte eines Albus undder Denar die Hälfte eines Hellers ausmachte, während diesogenannte Pagamentsmark immer gleich 6 Albus war. Nachjenem Forscher hatte 1 Pfenning von damals einen Werth vonl 7 /8 Pfenning unseres heutigen Münzfusses; ein Heller oderMöhrchen war also nach unserem Gelde 3 3 /4 Pfenning, einSchilling gleich 22 ] / 2 Pfennig. Demnach musste der Albus45 Pfenning, die Kölnische Mark 2 Mark 75 Pfenning undder Gulden 9 Mark 26 Pfenning unseres jetzigen Geld-werthes halten.
Berücksichtigt man, dass der Mark fast an jedem Ortein anderer Werth zu Grunde lag, dass das Mittelalterebenso gut seine Coursschwankungen hatte wie unsereZeit, dass der Werth einer an demselben Ort geprägtenMark oft in einer relativ kurzen Zeit die grössten Ver-änderungen erfuhr, so begreift man, welch' eine Riesen-aufgabe es ist, diese schwankenden Geldverhältnisse vonJahr zu Jahr zu verfolgen und klarzustellen. Mit unermüd-lichem Fleiss und staunenswerther Klarheit hat P. StephanBeissel*) für einen Theil des rheinfränkischen LandesOrdnung in dieses unsägliche Gewirre gebracht. SeineUntersuchungen, die sich auf die Baurechnungen derXantener Victorskirche stützen, haben es erst möglichgemacht, dort klar zu sehen, wo früher nur nebelhafteVorstellungen bestanden.
Die Ergebnisse der Beissel'schen Untersuchungen inallen ihren Einzelheiten hier wiederzugeben, würde denRahmen unserer Aufgabe überschreiten. Genügende Ein-
*) Geldwerth und Arbeitslohn im Mittelalter. Freiburg 1884.