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lenthalben umfassende Sammlungen angelegt werden. Die Er-schließung, Aufbereitung und Vermittlung großer Mengen vonQuellenmaterial wird als eine der vornehmsten Aufgaben derGeisteswissenschaften empfunden. Hand in Hand mit der Ma-terialsammlung geht die Ausbildung immer feinerer Methoden derGegenstandsbearbeitung, so daß Textkorpora nicht nur von großemUmfang, sondern auch von erheblicher Differenziertheit der Dar-bietung entstehen. Die Ausbildung neuer Publikationsformen wirdauch in diesen Forschungszusammenhängen unvermeidlich.
In der deutschen geisteswissenschaftlichen Forschung hat dieseEntwicklung dazu geführt, daß viele Großprojekte nur sehr langsamvorankommen oder sogar unter dem Gewicht der selbst auferlegtenAnsprüche im Hinblick auf Vollständigkeit oder Erschließungstiefezusammenbrechen. Wieder und wieder erweist sich hier in derMammutdimension, was auch an der einzelnen Monographieabzulesen ist: daß die Materialfülle nicht mehr bewältigt und ihrePräsentation nicht mehr finanziert werden kann.
Ein charakteristisches Beispiel ist die Textedition deutscher Au-toren, deren Problematik sich in der Forschungskritik so darstellt:
Sie wurde und wird mit bedeutenden personellen und institutionellen Mittelngefördert, setzt modernste technische Möglichkeiten ein, entwickelt eine bisherunbekannte Subtilität gegenüber dem Überlieferungsbefund und kann mit der Höheder methodischen Reflexion heute als ein eigener, mit besonderer Ausbildung undFähigkeit ausgestatteter Wissenschaftszweig angesprochen werden. Doch steht nichtselten die starke Theoretisierung dem eigentlichen Ziel, der brauchbaren Präsentationeines zuverlässigen Textes, im Wege. Eine stattliche Reihe jeweils vielbändigerhistorisch-kritischer Editionen ist begonnen (Eichendorff, Brentano, F. H. Jacobi,Klopstock, Heine, Hoffmannsthal u.v.a.). Bei vielen stellt sich heute die Frage, ob sieim 21. Jahrhundert ihren Abschluß oder vorher noch ihren Abbruch erleben werden;denn die zur Wissenschaft gewordene Editorik erlebt an sich das Schicksal raschenMethodenwandels, und ihre Monumente veralten von Jahrzehnt zu Jahrzehnt. Hierwerden bei knapper werdendem Geld bald grundsätzliche Überlegungen angestelltwerden müssen; denn ob die Handvoll Philologen, die für eine bestimmte Fra-gestellung ihren literarischen Text oder ihr Textstück in einem vollständigen undvollständig interpretierten Überlieferungs- und Wirkungsbefund benötigen, ihnkünftig in der ,Ewigkeitsform' der gedruckten Historisch-Kritischen Ausgabe er-halten müssen, erscheint des Nachdenkens wert. Vorstellbar ist, daß die editorischenMaterialien samt ihrer (begrenzten?) Bearbeitung einmal zentral aufbewahrt und zubequemem Abruf aufbereitet werden. 17