UV.'.'!'' 10 '
234
1
1
1
bemerkte Theodor Mommsen, daß „in allen Zweigen der Literaturdie Fachschriften, vor allem die Fachzeitschriften, jetzt durchaus dieerste Stelle" einnehmen. Er erblickte darin eine ambivalente„Einseitigkeit der heutigen Forschung" und betrachtete die Wis-senschaftssituation insgesamt als Ergebnis einer nicht mehr zu-rücknehmbaren Spezialisierung. 8
Im heutigen Wissenschaftsbetrieb dominiert die Zeitschrift, undnach einer vielfach vertretenen Auffassung ist der Zeitschriften-aufsatz das Medium, in dem sich der moderne Wissenschaftlerartikuliert. Daran ist zweifellos etwas Richtiges. Die Zunahme derZeitschriftenliteratur in allen Wissenschaftsbereichen während derletzten zwei oder drei Jahrzehnte ist außerordentlich. Nach ame-rikanischen Ermittlungen haben sich die geisteswissenschaftlichenZeitschriften zwischen 1960 und 1975 um mehr als 100 Prozentvermehrt. 9 Aus den Bibliotheken ist bekannt, daß ein immergrößerer Teil des Etats für Zeitschriften ausgegeben werden mußund daß die Zeitschrift die Monographie in den Hintergrunddrängt.
Die Präponderanz der Zeitschrift in den Naturwissenschaften findetihre natürliche Erklärung darin, daß es hier einen realen Fortschritt'der Forschung gibt. Ein einmal gelöstes Problem bleibt in der Regelgelöst. Die Zeitschrift erfüllt damit die Funktion einer Begleit-dokumentation des Forschungsprozesses, und die Aktualität derwissenschaftlichen Publikation erlischt mit der Lösung des Pro-blems. Die bekannte „Halbwertszeit" der naturwissenschaftlichenZeitschriften macht dies unmittelbar deutlich.
M
[er
In den Geisteswissenschaften gibt es keinen vergleichbaren Fort-schritt'. Die Aufgabe der Erschließung und Vermittlung einerkulturellen Tradition ist von der Sache her nicht durch eine dernaturwissenschaftlichen Forschung vergleichbare Kontinuität ge-kennzeichnet. 10 Zwar gibt es aktuelle Problemstellungen, aber in derRegel keine Problemlösungen, die ein für allemal Gültigkeit haben.Aktualität und Kontinuität sind in den Geisteswissenschaftenandere Kategorien. Damit ist die Zeitschrift zwar ein Medium fürdie Mitteilung von Forschungsergebnissen, aber nicht wie in denNaturwissenschaften ein wegen seiner Erscheinungsweise unent-