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Buch, Bibliothek und geisteswissenschaftliche Forschung : zu Problemen der Literaturversorgung und der Literaturproduktion in der Bundesrepublik Deutschland
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Im Problem des Leihverkehrs verbirgt sich - spätestens seit derEinführung der Sondersammelgebietsstruktur im Jahre 1949 - einanderes Problem, das als solches in der Bundesrepublik bisher nichterkannt und behandelt worden ist. Es ist das Problem, ob dieLiteraturversorgung vor der Beschaffungssystematik oder die Be-schaffungssystematik vor der Literaturversorgung rangieren soll. Imersten Fall ist der Benutzer der Bibliothek, im zweiten die Bibliothekdem Benutzer übergeordnet. Die Lösung des Problems ist in derBundesrepublik eindeutig im Sinne der Überordnung der Bibliothekgegenüber dem Benutzer erfolgt. Klassischen Ausdruck hat dieEntscheidung in der Darstellung von Gisela von Busse gefunden:

Für die Bundesrepublik möchten wir sagen: Sicher ist das System trotz derVereinfachungen, die eingeführt werden, noch immer kompliziert, und sicherbehindert der komplizierte Verteilungsplan die rasche und problemlose unmittelbareBenutzung. Aber dagegen stehen die Überlegungen zur Erwerbung. Ob die Abkehrvom Fachprinzip und die auf formale Kriterien sich gründende so weit möglichglobale Beschaffung Sammlungen wissenschaftlicher grundlegender und hochspe-zialisierter Literatur entstehen lässt, die unseren Sondersammelgebieten gleich-kommen, das scheint uns, zumindest für eine Reihe von Gebieten, sehr fraglich, istjedenfalls bis jetzt nicht erwiesen. 27

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Da der Leihverkehr ein bibliotheksinternes Verfahren ist, wird seineBenutzerfreundlichkeit seitens der Bibliotheken überschätzt. Fürden Ein-Buch-Leser, der gelegentlich eine nicht örtlich verfügbareInformationsquelle heranziehen möchte, ist die Literaturbeschaf-fung von auswärts eine Annehmlichkeit. Für den Wissenschaftler,der größere Literaturmengen als Arbeitsgrundlage in einem nichtbeliebig fragmentierbaren Zusammenhang benötigt, bedeutet dieAuslieferung an die Zufälligkeiten des Leihverkehrs eine beständigeBehinderung. Das Modell der Informationszufuhr, das dem deut-schen Leihverkehr zugrunde liegt, ist mit den Erfordernissen dergeisteswissenschaftlichen Forschung so wenig kompatibel, daßauch von hohen Erledigungsquoten nicht ohne weiteres auf denwissenschaftlichen Nutzen geschlossen werden kann.

Damit sollen die Leistungen des Bibliothekswesens oder gareinzelner Bibliotheken nicht geschmälert werden. Es geht allein umeine Verständigung zwischen Bibliothek und Benutzer, daß ein

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