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Buch, Bibliothek und geisteswissenschaftliche Forschung : zu Problemen der Literaturversorgung und der Literaturproduktion in der Bundesrepublik Deutschland
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historisch gewachsenes und nunmehr als selbstverständlich an-gesehenes System den Anforderungen nicht genügt und aus be-nennbaren Gründen nicht genügen kann. Der Leihverkehr hat nie inder intendierten Weise als umfassendes und verläßliches Lite-raturversorgungsinstrument der Wissenschaft funktioniert, obwohlsich im historischen Rückblick der Eindruck ergeben kann, daß ereinmal funktioniert habe.

Der Leihverkehr ist das Symptom von Literaturmangel. Er ist 1982noch das, was er für den Göttinger Bibliothekar Adalbert Roquette1902 war: ein Notbehelf in einem System, dessen Bibliotheken ihrenAufgaben nicht voll gerecht werden können. Jedes Ansteigen derLeihverkehrszahlen stellt deswegen keine Verbesserung der Li-teraturversorgung dar: es ist ein Alarmsignal für die unzureichendeAusstattung der Bibliotheken. Ob sich bei der Beschaffung aus-ländischer wissenschaftlicher Literatur im Rahmen des Sonder-sammelgebiets-Systems je die oft vermutete Veränderung vollzogenhat, daß es von einem Instrument zur Verwaltung des Mangels zueinem Instrument der Beherrschung des Überflusses geworden ist,muß als offene Frage angesehen werden.

Die Prämisse „Literatur aller Art für jedermann an jedem Ort" mußalso durch ein realistisches Prinzip ersetzt werden, das den wirk-lichen Gegebenheiten der Literaturversorgung auf lokaler, regio-naler und überregionaler Ebene entspricht.

IV

In ihrer Öffentlichkeitsarbeit versuchen die Bibliotheken allent-halben, eine verstärkte Benutzung anzuregen. Information undWerbung zielen darauf ab, dem tatsächlichen Benutzer das Li-teraturangebot und die Serviceleistungen nahezubringen und dempotentiellen Benutzer durch „Orientierungshilfen" und „Anleitun-gen" die „Schwellenangst" vor der Inanspruchnahme der insti-tutionalisierten Literaturversorgung zu nehmen.

Zu dieser Absicht scheint die hier vertretene Auffassung, daß derLeihverkehr eingeschränkt werden müsse, im Widerspruch zu

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