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Buch, Bibliothek und geisteswissenschaftliche Forschung : zu Problemen der Literaturversorgung und der Literaturproduktion in der Bundesrepublik Deutschland
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der Absicht entsprungen, zur Erleichterung der wissenschaftlichenArbeit den Reichtum - überhaupt jedes Mehr - des Besitzeseinzelner Bibliotheken 1. sämtlichen andern zugänglich zu machen;2. dieses Ziel mit den geringsten Kosten für die Entleiher undgleichzeitig mit dem geringsten Aufwand an Arbeit und Kosten fürdie verleihenden Anstalten zu erreichen". 18

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Nicht alle waren dieser Meinung. Die Professorenschaft der Uni-versität Göttingen protestierte gegen die Einführung des Leih-verkehrs - wegen der zu erwartenden Behinderung der wissen-schaftlichen Arbeit am Ort. 19 Richard Pietschmann, dem NachfolgerDziatzkos als Direktor der Göttinger Bibliothek, erschien derorganisierte Leihverkehr „nicht unbedenklich, weil dadurch ganzfalsche Hoffnungen erweckt werden könnten: Die Technik derwissenschaftlichen Arbeit verlangt oft, daß das benötigte Buchsofort zur Stelle ist, wenn nicht auf die Benutzung verzichtet werdensoll". 20 1932 bemerkte Georg Leyh in einem Vortrag über „Kul-turabbau und wissenschaftliche Bibliotheken": „Die immer nochsteigende Ausdehnung des Leihverkehrs bedeutet für die besit-zenden Bibliotheken eine ungeheuere Belastung. Der Leihverkehrhat für das seltenere, vergriffene und spezielle Buch sein gutesRecht, aber er verliert seinen Sinn und er ist nur noch einGradmesser für die Not der Bibliotheken, wenn er auch auf dasneue, überall gleichzeitig gebrauchte Buch seine Hand legen will." 21Solche Einsichten waren indessen die einer Minorität.

Die Auffassung, daß der Leihverkehr ein Gradmesser für dieLeistungsstärke des deutschen Bibliothekswesens sei, hat seitens derBibliotheken eine Service-Bereitschaft erzeugt, die von Anfang anüber die tatsächliche Leistungsfähigkeit hinausging. Die Hinweiseauf die Überlastung des Leihverkehrs gehen bis in seine Anfängezurück. Auf der anderen Seite hat sich der Benutzer kontinuierlichan die „bequeme Einrichtung des Leihverkehrs" (so die DeutschenGeschichtsblätter 1901) gewöhnt. 22 Er betrachtet die Literaturver-sorgung über Land nicht erst neuerdings als ein selbstverständliches„Geschenk des Staates an die Wissenschaft und die Fortbildung". 23Service-Bereitschaft und Benutzererwartung haben sich über einenlängeren Zeitraum zu einem Zustand hochgesteigert, die sich in derStandardgeschichte des deutschen Leihverkehrs so darstellt:

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