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Buch, Bibliothek und geisteswissenschaftliche Forschung : zu Problemen der Literaturversorgung und der Literaturproduktion in der Bundesrepublik Deutschland
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zeichnet. 11 In den frühen zwanziger Jahren setzte eine Glorifi-zierung des Leihverkehrs ein, die in krassem Gegensatz zu denhistorischen Fakten steht. „Althoffs großzügige und nie in fis-kalischen Bedenken steckenbleibende Politik hat ihn geschaffen,"hieß es auf dem Bibliothekartag 1920, und „von jeher" habe er „zuden Einrichtungen gehört, auf die die deutschen Bibliotheken stolzsein konnten". 12 Wenig später wurde der neu eingeführte DeutscheLeihverkehr als eine Möglichkeit apostrophiert, im Zuge einer„Bespeisung der Schulen durch die großen wissenschaftlichen undöffentlichen Büchereien... Bibliothek und Schule aus ihrer jetzigenIsolierung zu fruchtbarer Arbeitsgemeinschaft zusammenzufüh-ren". 13 In der ersten Bilanz des Deutschen Leihverkehrs auf demBibliothekartag 1927 stellte sich dieser nicht nur als „fester, nichtmehr fortzudenkender Bestandteil des deutschen Bibliothekswe-sens" dar, sondern auch als „eine Kultureinrichtung", die „bishereinzig in der Welt dasteht". 14 Die kurze Zeit ihrer Wirksamkeit habegenügt, „um jeden Zweifel darüber zu beheben, daß der große Wurfgelang". 15 Die Einheit des Deutschen Leihverkehrs wurde inAnalogie zur Einheit der deutschen Wissenschaft gesehen. Insolchen Bekundungen ist die jüngst geäußerte Auffassung prä-figuriert, daß Althoff den Humboldt'schen Organismusgedankenauf das Bibliothekswesen übertragen habe. 16

Auf sehen des Benutzers ging ein ähnlicher Bewußtseinswandel vorsich. Eine geschickte staatliche Bibliothekspolitik vermittelte vorallem in der Provinz den Eindruck, daß nicht ein Mangel verwaltet,sondern ein Überfluß zur Verfügung gestellt werde. Nach dergeographischen Ausdehnung des Leihverkehrs und seiner Erwei-terung auf die Höheren Schulen wurden ab 1897 die Handschrifteneinbezogen. So konnte sich die Meinung bilden, daß ein „Geist desFortschritts und der Liberalität" im Bibliothekswesen Einzuggehalten habe, wie die Deutschen Geschichtsblätter: Monatsschriftzur Förderung der landesgeschichtlichen Forschung bereits 1901mitteilten. Insgesamt schien das deutsche Bibliothekswesen, wieschon Heinrich von Treitschke glaubte, mehr Demokratie undHumanität aufzuweisen als das des Auslands. Nur noch in solchenInstitutionen wie dem Britischen Museum, das keine Handschriftenverlieh, sah man „den alten engherzigen Geist walten". 17 1927 hießes auf dem Bibliothekartag: „Die Einrichtung des Leihverkehrs ist

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