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II
Obwohl der Leihverkehr auf den ersten Blick als eine pragmatischkonzipierte Institution erscheint, stellt er in Wirklichkeit eine vonAnfang an mit ideologischen Momenten durchsetzte Einrichtungdar. Diese haben sich im Verlaufe seiner Geschichte verstärkt undzu einer Leihverkehrsdogmatik geführt, aus der sich großenteilsseine „tragende Rolle" im Literaturversorgungssystem der Bun-desrepublik erklärt.
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Die Etablierung des Leihverkehrs war eine administrative Maß-nahme zur Verwaltung des Literaturmangels, der sich als Folge derunzureichenden Ausstattung der Bibliotheken am Ende des neun-zehnten Jahrhunderts ergeben hatte. Es war damals, so FriedrichAlthoff, „finanziell nicht angängig", die Bibliotheken so auszu-statten, daß sie den Erfordernissen des Wissenschaftsbetriebsgenügten. „Geeignetes Zusammenwirken bei der Bücher-Anschaf-fung" sollte sicherstellen, daß wenigstens innerhalb eines „Kar-telverbandes" von Bibliotheken „die gesammte Literatur in un-gefährer Vollständigkeit" vorhanden war. 9
Die Bibliotheken waren von Anfang an darauf bedacht, dasStaatsinteresse an einer Minimierung der Ausgaben für die Li-teraturbeschaffung und das Benutzerinteresse an einer reibungs-losen Literaturversorgung in Einklang zu bringen. Dem GöttingerBibliotheksdirektor Dziatzko etwa erschien Althoffs Plan „einesVersuches werth zu sein. Nur müßten die Vorkehrungen so getroffenwerden, daß die Benutzer... möglichst wenig... davon zu merkenbekommen, daß die gewünschten Bücher aus einer fremden Bi-bliothek entlehnt sind". 10 Mit diesem Bemühen, den Notstand zukaschieren und eine volle Leistungsfähigkeit der einzelnen Bi-bliothek zu suggerieren, begann die Ideologisierung des Leih-verkehrs.
Die Ära Adolf von Harnacks ist durch den Widerspruch zwischenoffiziell geforderten Erfolgsberichten und internen Gutachten überdie unerträglichen Zustände in der Literaturversorgung gekenn-